Also doch: Der Otto-Konzern bleibt 2015/16 tief in den Miesen

Am Ende hat alles nichts geholfen. Die Otto-Bilanz (PDF) bleibt auch 2015/16 tief rot und das Ergebnis nur unwesentlich besser als im Vorjahr („Otto zieht bittere Bilanz“):

ottobilanz201516

Es ist symptomatisch für die Ära Schrader, wo man sich im Zweifel immer dazu entschlossen hat, die Vergangenheit zu bewahren anstatt die Zukunft zu gestalten. Das rächt sich nun mit abermals hohen Abschreibungen für das abgelaufene Geschäftsjahr. Siehe auch Der Otto-Konzern will sich von einer Milliarde Umsatz trennen.

ottoverkaeufe

Anstatt 2013 schon einen klaren Strich zu ziehen, hatte der Otto-Konzern die damals schon darbende 3Suisses-Gruppe gegen eine schöne Mitgift übernommen („Otto übernimmt strauchelndes Frankreichgeschäft komplett“), dann Unsummen in die Restrukturierung gesteckt, um dann am Ende doch den Stecker ziehen zu müssen („Kahlschlag bei der französischen 3SI-Gruppe“).

All das ist Zeit, Kapital und Energie, die dem Otto-Konzern fehlt, um online richtig in die Vollen zu gehen („Exchanges #99: Reinventing Otto“). Man kann sehr gespannt sein, ob das unter der neuen Führung anders wird („Der Otto-Konzern findet keinen Ersatz für Benjamin Otto“). Die viel beschworene Veränderung alias „Kulturwandel 4.0“ jedenfalls sähe auch im Konzernvorstand anders aus.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Shopboerse, Ultimondo

14 replies

  1. So unterschiedlich kann man ein Thema sehen und drüber berichten: Die Otto Group auf dem Weg zu altem Glanz
    http://www.internetworld.de/e-commerce/otto-group/otto-group-weg-zu-altem-glanz-1105662.html

  2. vielleicht noch nur Einordnung. Die einzige wirkliche Neuigkeit auf der Bilanzpressekonferenz heute waren die horrenden Verluste von 190 Mio. Euro. Alles andere war bereits bekannt.

    Von diesen Verlusten abzulenken – darauf zielte die PR-Kampagne der letzten Wochen ja ab. Um zu verstehen, wie die Otto-Gruppe PR-seitig tickt, sollte man sich die Inszenierung nochmal vor Augen führen. Was wird wann verkündet, und welcher Eindruck wird dabei vermittelt?

    Die Aussage „Otto Group gelingt der Turnaround“ aus der jüngsten PR-Mitteilung ist in etwa soviel Wert wie „Generationswechsel an der Spitze der Otto Group“ aus der PR-Mitteilung von letzter Woche. Es ist eine schöne Behauptung, mehr nicht.

    Ob die Otto-Group schon über dem Berg ist, kann heute noch niemand beurteilen. In den Bilanzen schlummern noch zuviele Altlasten, um hier eine Aussage zu treffen. Das nächste Sorgenkind ist Sport Scheck. Und dann ist da noch das Russlandgeschäft, und und und.

    Wie hat es ein Journalist heute so schön gesagt: „Irgendwas ist immer“. Aber so ist das, wenn kurzfristige Gewinne vor langfristiger Strategie gehen. Da wird man sehr leicht zum Opfer der Umstände.

  3. 190 Mio. Verlust, aber eben nur, weil 3suisses mit 280 Mio. € zu Buche schlägt. Aus dem fortgeführten Geschäften haben sie 90 Mio. € Gewinn gemacht und in allen Bereichen positiv entwickelt. Daher kann ich deine Sichtweise verstehen, finde persönlich aber diese Darstellung neutraler und am nächsten an der Wahrheit: http://neuhandeln.de/licht-und-schatten-otto-gruppe-praesentiert-jahreszahlen/

    • „aber eben nur“ ist gut. Wenn Amazon sein Fire Phone mit Hunderten von Millionen abschreibt, wird das von der Börse, etc. ja eben auch nicht als „eben nur“ abgetan, sondern führt sofort zu entsprechenden Abwertungen.

      Was der Otto-Konzern heute geliefert hat, ist eine rocketartige Überraschung. Wäre der Otto-Konzern börsennotiert, hätte das zu deftigen Kurseinbrüchen geführt, gerade weil man sich diese News bis zur letzten Minute aufgespart hat.

  4. Naja, dafür scheint die Performance von OTTO zu reichen

    —snip—
    Für alle, die im (Online-)Handel etwas bewegen wollen, bringen wir immer zum Wochenende die neuesten Job-Möglichkeiten sowie die Top-Arbeitgeber mit einer Fülle von Perspektiven für den Handel von morgen. Offen für ambitionierte Bewerber sind diese Woche OTTO in Hamburg….
    —snip—
    Respekt!

    • in jedem Fall ein schöner Beleg dafür, dass die Stellenanzeigen redaktionell unabhängig sind (und umgekehrt) und dass auch ein Otto weiß, wo sich fähige Leute finden lassen …

    • Bei der Gelegenheit im übrigen mal großen Respekt vor dem souveränen Umgang der Otto-Gruppe mit kritischen Stimmen (und zwar über alle Konzernbereiche und Hierarchieebenen hinweg).

      Die Reaktion könnte ja auch sein, Exciting Commerce zu ignorieren oder bewusst zu schneiden. In meiner Wahrnehmung ist allerdings eher das Gegenteil der Fall.

  5. Hallo Jochen, weißt Du, ob Otto in den Umsatzerlösen noch die Umsätze aus den „aufgegebenen Geschäftsbereichen“ ausweist? Dann wäre das wirklich eine sehr merkwürdige Betrachtungsweise.

  6. Klar könnte man die Meinung vertreten, so etwas gehört einfach zum Geschäft. Aber gerade Otto bemüht immer wieder den ehrbaren Kaufmann, das Familienunternehmen und die hanseatische Bodenständigkeit. Das passt einfach nicht, wirkt unehrlich.

Trackbacks

  1. Exchanges #141: Quo Vadis, Otto? – Exciting Commerce im 12. Jahr

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