Wie sehr hat DHL die E-Commerce-Entwicklung unterschätzt?

Wie mehrfach kritisiert („Exchanges #46: DHL und die Zukunft der Versandlogistik“) traute DHL dem E-Commerce im Rahmen seiner 2014 ausgegebenen „Strategie 2020“ (PDF) hierzulande nur sehr mäßige Wachstumsraten zwischen 5-7% zu und ging zudem von einer rückläufigen Wachstumsentwicklung aus: „Market growth rates should come down slightly (expected CAGR ~6%)“, hieß es 2014:

Unlängst hat DHL für seine „Strategie 2020“ eine Art Halbzeitbilanz gezogen (PDF) und musste dabei erwartungsgemäß einräumen, dass die Wachstumsraten höher liegen als angenommen:

Korrigieren will DHL seine Annahmen für den E-Commerce-Markt allerdings nicht, obwohl auch die eigenen Wachstumsraten alles andere als rückläufig sind. So stieg das Paketvolumen hierzulande nach +7,0% (2014) und +9,5% (2015) auch 2016 wieder um +9,3%. Siehe Geschäftsbericht (PDF) und zugehörige Charts (PDF):

Auch ins Jahr 2017 ist DHL hierzulande mit einem Wachstum von +9,4% gestartet. Nun mag es sein, und das wäre zumindest eine Erklärung für die Diskrepanz zwischen Markt und DHL, dass der Marktführer in der Tat erheblich dynamischer wächst als der Markt und der Konkurrenz entsprechend weiter erhebliche Marktanteile abjagt (PDF):

Das ändert allerdings nichts an der Grundproblematik: Um solche Wachstumsraten zu erzielen und die Paketvolumina zu stemmen, die um einiges über den eigenen Planungen/Erwartungen liegen, muss DHL improvisieren.

Zum Glück habe man ja noch die Briefzusteller und deren Fahrzeuge, auf die dann zurückgegriffen werde, wenn der eigentliche Paketbereich am Limit ist, meinte DHL-Chef Frank Appel nicht ohne Stolz beim jüngsten Kapitalmarkttag zur Halbzeitbilanz.

Fragt sich, ob derlei Improvisationkunst im Sinne einer (Online-)Handelsbranche sein kann, in der DHL eine derart dominante Rolle spielt? Oder ob es angesichts der anhaltenden Wachstumsdynamik nicht auch für DHL an der Zeit wäre, die Planungen den Realitäten anzupassen?

Mehr zu diesen und anderen Engpässen in der Logistik auch in den Exchanges #170 („Der Online-Handel vor dem Kollaps“)

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