Und wie reagieren die Verbände auf die Erpressungsversuche der Paketdienste?

Was halten eigentlich die Handelsverbände von den Drohungen und Erpressungsversuchen der Paketdienste im Weihnachtsgeschäft? Warum sind die Verbände nicht längst auf den Barrikaden?

Der Handelsverband Deutschland hat sich nach den letzten Äußerungen („Der scheidende Hermes-Chef rechnet mit Zalando & Co. ab“) dann doch noch zu einer Pressemitteilung durchringen können („Paketdienstleister: Kapazitäten ausbauen – neue Konzepte entwickeln“):

„Das Wachstum im Online-Handel werde sich nicht durch fehlende Kapazitäten in der Paketzustellung aufhalten lassen. Wenn die Paketdienstleister Mengenbeschränkungen und Preiserhöhungen ohne entsprechende Mehrwerte in die Diskussion bringen, sei das der falsche Weg, um der Herausforderung des steigenden Paketaufkommens gerecht zu werden.

Genth: „Gefragt sind innovative Lösungen, die die Effizienz möglichst im ersten Zustellversuch steigern. Falls die etablierten Dienstleister hier keine Lösungen finden, werden andere Anbieter die Lücke füllen.“ Auch Städte und Kommunen müssten darüber nachdenken, wie sie unterstützen können statt Wege der Aussperrung von Lieferfahrzeugen zu suchen.“

Das sind Aussagen, wie man sie eigentlich vom b(e)vh erwartet hätte, der sich gerne als „Der E-Commerce-Verband“ präsentiert, das Thema in seiner Weihnachtsmeldung allerdings komplett ausgespart und sich auf Nachfrage dann so geäußert hat („Der große Paket-Ärger zu Weihnachten“):

„Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (Bevh) betont, dass der Zusteller die „Visitenkarte“ der Händler sei. „Und wir haben großes Interesse daran, dass diese Visitenkarte ordentlich ist“, sagt der Hauptgeschäftsführer Christoph Wenk-Fischer.“

Jahrelang konnte man nur vermuten, dass die Paketdienste den Versandmarkt hoffnungslos unterschätzen. Inzwischen zeichnet sich allerdings ab, dass durchaus Kalkül dahinter steckt.

Man kann also gespannt sein, wie der Online-Handel darauf reagiert und welche neuen Player sich in einem Markt etablieren („Best of Exchanges 2017: Die Logistik für den Handel von morgen“), der heute erst zu maximal einem Drittel vergeben ist.

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4 replies

  1. „Gefragt sind innovative Lösungen, die die Effizienz möglichst im ersten Zustellversuch steigern. Falls die etablierten Dienstleister hier keine Lösungen finden, werden andere Anbieter die Lücke füllen.“

    Genauso isses. Aber auch „andere Anbieter“ werden am Ende des Tages wirtschaftlich arbeiten müssen und das bedeutet einfach, dass die Preise für die Transportdienstleistung Paket steigen müssen.

    Ansonsten ist das keine Erpressung sondern einfach nur Marktwirtschaft. Wenn etwas knapp wird, steigt es im Preis. Da kann man sicherlich bis zu einem gewissen Grad auch noch rationalisieren, aber grundsätzlich wird es in die Richtung gehen. Und da können die eCommerce-Verbände jammern und zetern, wenn ihnen selbst nichts einfällt, müssen die Händler (und im Endeffekt dann wohl die Online-Käufer) eben zahlen.

    • das Drücken auf die Tränendrüsen und die entsprechenden Drohszenarien werden nichts helfen: Solange Amazon immer noch erheblich weniger zahlt als der Rest des Online-Handels, scheint preislich noch einiges an Luft nach unten zu sein.

      Hätten die Handelsverbände die Interessen ihrer Mitglieder im Auge, wäre das ein viel größeres Thema.

      Und keine Sorge: Amazon fällt schon was ein, wie sich ein günstiger (im Zweifel: kostenloser) Dienst wirtschaftlich betreiben lässt. In jedem Fall würde ich nicht darauf wetten, dass die Paketdienste mit der Mitleidstour durchkommen.

      Es bräuchte eben erhebliche Investments, um eine zeitgemäße Infrastruktur auf die Beine zu stellen. Dazu sind bzw. waren die Etablierten bisher nicht bereit. Hier liegt aber die Wurzel des Übels. Alles andere sind Symptome.

      • Solange Amazon noch weniger bezahlt als der Rest des Online-Handels, lohnt es sich für die etablierten Paketdienste auch kaum, weiter in Infrastruktur und Innovation zu investieren.

        Und so lange die Nachfrage nicht die Limitierung ist, müssen die sich auch keine Sorgen machen, in Kürze von einem Wettbewerber vom Markt gefegt zu werden.

        Für mich ist es spannend zu sehen, was passiert, wenn Amazon ernsthaft den Logistik-Markt in D betritt mit eigener LKW-Flotte und eigener Last-Mile Infrastruktur (und sei es auch erst mal nur Crowd-basiert, also „innovativ“). Natürlich wird sich Amazon dann erst mal die Rosinen (Ballungsgebiete) rauspicken und DHL & Co. die „Drecksarbeit“ machen lassen (wollen). Die Frage ist, wie die dann darauf preislich reagieren.

      • Amazon wird nichts finden, was noch wirtschaftlicher ist als die Subsubunternehmerei von Hermes und DPD. Und Amazon Flex wird nach kurzer Anfangseuphorie entweder deutlich teurer werden müssen oder schnell wieder eingestellt.Gerade Flex ist ein perfektes Beispiel, dass Amazon eben gerade nicht innovativere Methoden entwickelt.

        Die Bezahlung ist mit bis zu (!) 64 Euro brutto (!!) für vier Stunden ein Witz. Jeder, der halbwegs rechnen kann, wird merken, dass das niemals reicht, um Verschleiß und Abgaben abzudecken. Aus Sicht der Städte ist es auch nicht wünschenswert, weil es die Last Mile-Zustellung noch viel kleinteiliger macht, wenn statt einem Sprinter mit 50 Paketen dann 10 Privatpersonen mit durchschnittlich 5 Paketen eine Straße anfahren. Zudem löst Flex auch überhaupt nicht das Zustellproblem im Erstversuch, weil es für die Anwesenheit des Kunden egal ist, wer da zustellt. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis erst das Finanzamt sich das genauer anschaut (zu versteuernder Nebenverdienst) und dann Verdi oder wer auch immer Klage erhebt, weil es eine Scheinselbstständigkeit ist.

        Aus meiner Sicht gibt es zwei wesentliche Problem:
        – die schlechte Zustellquote im Erstversuch mangels zeitlicher und räumlicher Verfügbarkeit des Bestellers
        – die weiter stark steigenden Volumina

        Beides ließe sich am besten durch verkehrsgünstig gelegene Selbstabholerzentren lösen, aus denen ein Teil der Bestellungen per Fahrrad-/Elektrowagenkurier zugestellt wird. Das wäre auch eine Initiative, die die Kommunen antreiben könnten.

        Der derzeitige Ansatz, aus Sortierzentren vor der Stadt mit Sprintern mit Einmannbesatzung zuzustellen, wird nicht weiter skalieren.

        Die Art der Kommunikation von DHL, Hermes und Co mag man schlecht finden. Aber in der Sache, nämlich dass die aktuelle Zustellmethode nicht weiter skaliert und zudem einfach nicht kostendeckend ist bzw. Investitionen ermöglicht, haben sie in meinen Augen recht.

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