Wie Windeln.de bei der Kapitalbeschaffung tricksen muss

Windeln.de verabschiedet sich schön langsam vom Markt. So sind die DACH-Umsätze von 71,8 Mio. Euro (2015) auf 54,5 Mio. Euro (2016) und 44,2 Mio. Euro (2017) auf 2018 nur noch 24,2 Mio. Euro gefallen.

Nachdem auch das Rettungsprogramm 2018 nicht gefruchtet hat, muss Windeln.de jetzt bei der Kapitalbeschaffung tricksen („Windeln.de schlägt seine letzten Aktionäre in die Flucht“), um sich an der Börse überhaupt noch Kapital beschaffen zu können:

„Unter Zugrundelegung der Kapitalherabsetzung [von 31.136.470,00 Euro auf 3.113.647,00 Euro] ergibt sich ein rechnerischer Aktienkurs von über 1,00 Euro, was der gesetzliche Mindestbetrag für die Ausgabe neuer Aktien im Zusammenhang mit Kapitalerhöhungen ist.

Beschlossen [wurde dann], das herabgesetzte Grundkapital von 3.113.647,00 Euro um bis zu 9.000.000,00 Euro auf bis zu 12.113.647,00 Euro durch Ausgabe von bis zu 9.000.000 neuen [Aktien] zu erhöhen.“

Ob das den Niedergang noch aufhalten kann? Vor den Kapitalmaßnahmen wird Windeln.de an der Börse zur Zeit bei einem Kurs von 18 Cent mit gerade noch 5,6 Mio. Euro bewertet.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Shopboerse

  1. … seinerzeit war der gute Jokel aber noch ganz anderer euphorischer Meinung und der Rest der Welt verstand halt nix von “Wachstumsunternehmen”. Na vielleicht klappt es mittlerweile ja besser mit der Deutung von Unternehmenszahlen. Man darf gespannt sein …

    https://excitingcommerce.de/2015/04/10/windeln-de-veroffentlicht-die-unterlagen-zum-borsengang/

    • damals hat Windeln.de auch noch eine andere Strategie verfolgt

      • Phantastisch – bis heute kein Lerneffekt eingesetzt. Die Zahlen waren von Anfang mies. Die “Strategie”, um sich das Geld der Kleininvestoren einzuverleiben, von Anfang natürlich genial. Aber das haben wir ja alles schon durch. Ganz toll gemacht. Sehr Vertrauenswürdig.

      • Jetzt mach Dich doch einfach mal locker. Wenn alles so klar und eindeutig wäre, gäbe es gar keine Börse. Diese funktioniert nämlich ausschliesslich deswegen, weil Menschen unterschiedliche Einschätzung zum aktuellen und zukünftigen Wert eines Unternehmens haben. Daran ist nichts schlecht oder falsch, das ist völlig normal.

  2. Maruvke hat Recht, die Metriken waren von Anfang an schlecht. Ein profitables eCommerce Business ist (u.a.) bei einem durchschnittlichen Warenkorb von rund 90€ und einer geringen Rohertragsmarge von rund 25% bei kostenloser Lieferung und Retouren – sagen wir mal – „strukturell sehr schwierig“. Man muss sich nur die Kostenquote aus oben verlinkten Artikel von 2015 anschauen und gegen die Rohertragsmarge halten, dann erkennt man die Herausforderung. Wenn dann tönerne Standbeine, wie z.B. Milchpulver nach China, wegfallen, bricht das Geschäft schnell zusammen.
    Aber die Aussage von Claus stimmt auch, die Börse lebt von unterschiedlichen Einschätzungen. Und Einschätzungen können sich ja ändern, so war windeln.de ja mal im GLORE-25 vertreten, dann aber irgendwann nicht mehr. Jeder, der auf dem Marktplatz Börse unterwegs ist, darf sich nicht beschweren, wenn er meint über den Tisch gezogen worden zu sein, nur weil es sich selber keine eigene Meinung anhand der Fakten gebildet hat.
    Tatsächlich wünsche mir aber durchaus auch einen kritischeren Blick der Medien (aber übrigens auch der Analysten) auf solche Unternehmen, wie windeln.de, wo es viele strukturelle Fragezeichen im Business Modell gibt. Vor dem Hintergrund kann kann ich Maruvkes Anmerkung zur Berichterstattung hier gut nachvollziehen.

  3. Welche Strategie ist es denn jetzt, die noch übrig geblieben ist?
    Sofern man dies als „Strategie“ bezeichnen kann…

    – Wachstum und Größenvorteile wie Zooplus erzielen? gescheitert
    – Milchpulver nach China? wie nachhaltig/substanziell soll das sein? Wo ist der USP?
    – jetzt: Kosten senken & Upselling: Solch ein Handwerk reicht schon als Strategie?

    Ein Euro Liquidität wird an der Börse aktuell mit 50 Cent bewertet: Das ist schon mal ne Aussage!

  4. Muss bei den Windeln.de Geschichten immer an die watteweiche PR Geschichte bei brandeins denken.
    https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2015/geschwindigkeit/voll-im-soll

    Passenderweise noch mit „voll im soll“ überschrieben, was eine gewisse Ironie birgt. Die Hybris, diese wohlfälligen Aussagen damals, die rauschende mediale Begleitung (auch hier)…

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