Erst JustEat Takeaway von Prosus. dann MediaMarktSaturn von JD und gerade Delivery Hero von Uber. Welcher der großen europäischen (Online-)Player wird als nächstes übernommen?
Zu den heißesten Übernahmekandidaten zählt weiter Zalando, das sich alle chinesischen Player aus dem Cashflow leisten könnten. Auch Shein, das laut Börsenprospekt (PDF) über substanzielle Cashreserven von knapp 15 Mrd. Dollar verfügt, die sich allein im letzten Geschäftsjahr um 3 Mrd. Dollar erhöht haben:
„As of 31 December 2023, 2024 and 2025 and 31 March 2026, the aggregate amounts of our cash resources were US$10,274 million, US$11,721 million, US$14,786 million and US$14,831 million, respectively“
Zalando wird gerade an der Börse mit 7,1 Mrd. Euro bewertet, und so könnte sich Shein Zalando jederzeit auf ähnliche Weise schnappen wie Zalando About You („Zalando stemmt About You Übernahme aus operativem Cashflow“).
Nach Missguided hatte Shein zuletzt Everlane für 80 Mio. Dollar übernommen:
Mit diesen Aussichten beenden wir unsere kleine Serie zum anstehenden Börsengang von Shein:
- Shein: Die wichtigsten Kennzahlen aus dem Börsenprospekt
- Wo steht Shein im Vergleich mit Zara, H&M und Zalando?
- Der Shein-Marktplatz entwickelt sich besser als gedacht
- Noch bestellen die Kunden bei Zalando häufiger als bei Shein
Beiträge zum Thema:
- Wie sich Shein & Co. auf die Zeit nach der Zollfreiheit einstellen
- Temu und Shein jetzt mit 19 bzw. 20 Mio. Nutzern in Deutschland
- Shein-Umsätze in Deutschland sollen über 2,5 Mrd. € liegen
- Shein knackt in England die Umsatzmarke von £2 Mrd. (+32%)
- Shein bekommt jetzt auch Anteile an JCPenney
- Shein will „Shein as a Service“ etablieren
- Shein schnappt sich Missguided von der Frasers Group
- Was der Shein-Deal mit Forever 21 für den Modehandel bedeutet
- Exchanges #395: Übernahmen, Börsengänge und mehr im Sommer-Update
- Wie Marken mit Shein, Temu & Co. auch umgehen könnten – im Crossover-Podcast #54
- Exchanges #333: Wie Shein die Modebranche vor sich hertreibt
Kategorien:China, Shopboerse



Hi Jochen, auch wenn es so aussieht könnte Shein Zalando nicht „jederzeit aus dem Cashpolster“ übernehmen – das wäre finanziell extrem unrealistisch, auch wenn Shein klar größer und profitabler ist. Zalandos Marktkapitalisiierung liegt bei ca. 7,5Mrd. USD (rund 8 Mrd. EUR). Zalando hat in Q1 2026 rund 1,3 Mrd. EUR Cash & Cash Equivalents, aber auch Schulden und andere Verbindlichkeiten (z. B. Leasing, Convertible Bonds). Ein Übernahmepreis läge realistisch bei 8–12+ Mrd. EUR (inkl. Premium).
Shein: Umsatz 2025 ca. 37–42 Mrd. USD, Nettogewinn ca. 2 Mrd. USD (nach Rückgang). Cash-Bestände lagen Ende 2024 bei ca. 2,6 Mrd. USD – wahrscheinlich nicht dramatisch höher inzwischen. Die Bewertung für den geplanten Hongkong Börsengang wird zur Zeit mit 30–50 Mrd. USD diskutiert (deutlich unter früheren 60–100 Mrd.).
Shein generiert also enormen Cashflow durch sein Ultra-Fast-Fashion-Modell, hat aber kein gigantisches „Cashpolster“ im Verhältnis zu einer Zalando-Übernahme. Ein Deal in dieser Größenordnung würde stark auf Fremdfinanzierung, Aktientausch oder Investoren angewiesen sein – nicht einfach aus vorhandenem Eigenkapital.
Weitere Gründe, warum eine Übernahme durch Shein unwahrscheinlich ist sind Strategisch/regulatorischer Natur: Zalando ist ein börsennotiertes deutsches/EU-Unternehmen mit starkem Fokus auf Plattform, Markenpartnerschaften und Nachhaltigkeit. Shein steht unter intensiver EU-Beobachtung (Zölle, Datenschutz, Greenwashing-Strafen, Lieferkette). Eine Übernahme würde Kartell- und FDI-Prüfungen (Foreign Direct Investment) auslösen und politisch hochumstritten sein.
Zalando ist nicht „billig zu haben“: Nach der About-You-Übernahme ist Zalando selbst aktiv auf der Käuferseite und hat Skaleneffekte in Europa aufgebaut.
Shein hat unumstritten die finanzielle Feuerkraft und den Ehrgeiz, Zalando langfristig Marktanteile abzunehmen oder kleinere Deals zu machen (siehe z. B. Everlane). Eine komplette Übernahme „aus dem Cashpolster“ ist aber weder realistisch noch wahrscheinlich – weder „jederzeit“ noch in absehbarer Zeit. Es bliebe ein teurer, komplexer und regulatorisch riskanter Mega-Deal.