Amiando & Co: Anschlussfinanzierung verzweifelt gesucht?!

Worüber Zalando & Co. nicht hinwegtäuschen dürfen: Nicht nur deutsche Startups haben es momentan sehr schwer, ihre Anschlussfinanzierungen unter Dach und Fach zu bringen. Selbst hervorragende Teams müssen da bisweilen sehr lange bangen, bis das Geld auf dem Konto ist. Und nicht jeder findet ein DN Capital, das einem im rechten Moment zur Seite springt.

Was passieren kann, wenn eine mögliche Wachstumsrunde platzt, konnte man gerade bei Amiando erleben. Unter normalen Umständen müssten sich VCs um ein Startup wie Amiando reissen, das nicht nur einen guten Namen hat, sondern auch gezeigt hat, dass es Umsätze machen kann, kurz vor der Profitablität stand und auch entsprechend vielfältige Wachstumsoptionen hatte.

Doch während Angel-Runden und Erstfinanzierungen noch verhältnismäßig leicht zu bekommen sind und auch vergleichsweise reibungslos vonstatten gehen, wird es bei Anschlussfinanzierungen derzeit oftmals sehr eng. Ohne realistische Exit-Perspektiven fehlt da so manchem VC der Schneid.

Das ist allerdings kein rein deutsches Problem. Auch in den USA sieht es nicht viel besser aus. Nur haben die USA Google als großes Auffangbecken, das noch vergleichsweise gut zahlt und Übernahmen zum Teil als Talentakquise verbuchen kann. Bei Google sind zuletzt u.a. Slide (182 Mio. Dollar), Like.com (100+ Mio. Dollar) und andere untergekommen. Einstmalige Höhenflieger wie Ning müssen mangels neuer Finanzierungsmöglichkeiten quasi von vorne anfangen und sich komplett neu erfinden.

Was wenn die erhoffte Anschlussfinanzierung ausbleibt?

Auch wenn Amiando bei diesem Thema abwinkt, ist nicht davon auszugehen, dass für Amiando ein Exit zum jetzigen Zeitpunkt geplant war, denn sonst hätte das Team in den vergangenen Monaten anders agieren und den Exit auch entsprechend vorbereiten müssen (z.B. mehr Energie in den Vertrieb und weniger in die neue Plattform investieren müssen). Wundern darf man sich allerdings schon, warum das weit verzweigte Amiando-Buddy-Netzwerk nicht mehr hergegeben hat als einen Xing-Exit, der trotz fairer Bewertung (zur Unzeit) vor allem die Xing-Investoren freuen kann.

Die deutsche Gründerszene ist in Sachen Exit noch extrem unerfahren. Was nicht weiter verwunderlich ist, denn noch kaum einer der hierzulande aktiven Investoren hat einen größeren Exit internationalen Kalibers hingelegt. Möglich ist es allerdings, wie in diesem Jahr u.a. Swoodoo gezeigt hat, das für $24 Mio. Dollar an Kajak ging und noch von deren geplanten Börsengang profitieren kann. 

Heute hat man manchmal den Eindruck, als ob es mehr Angels, Inkubatoren und Frühphasenfinanzierer gibt als Gründer. Der Start ist also, wenn auch schwer genug, momentan vergleichsweise einfach. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Öko-System im Wachstumssegment auf Dauer nur funktionieren kann, wenn es auch für Web-Startups genügend Wachstumsfinanzierer und Exitmöglichkeiten gibt.

Amiando war eines der immer noch ganz wenigen deutschen Gründerteams mit internationalem Potenzial. Umso mehr muss es einem zu denken geben, wenn nicht einmal so ein Team durchkommt.

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Kategorien:Shopboerse

  1. Ggf. führt das auch zu einer Umorientierung hin zu kurz- mittelfristig profitablen Geschäftsmodellen die keinen Exit benötigen.

  2. Genau das ist zu befürchten. Dann ist das Wachstumssegment wieder tot und die – und das ist jetzt überhaupt nicht despektierlich gemeint – Kleinkrämer-Fraktion kommt wieder mit ihrem: „Ich habs ja immer gesagt, nur profitables Wachstum ist gutes Wachstum …“
    Eine Chance gibt es allerdings für das Wachstumssegment. Und das ist ein sich aufhellender Börsenmarkt, wie er sich gerade abzeichnet. Damit wäre die Exitsorge der Investoren weg.
    Boris Wertz hat das in seinen Prognosen für 2011 gut dargestellt:
    http://www.wmediaventures.com/news/what-are-your-predictions-for-2011-here-are-my-top-4/

  3. Das ist nicht Dein Ernst oder? Damit die Banken und VCs die Risiken wieder bei den Kleinsparern direkt oder inderekt (Fonds) etc. abladen? Unter Zuhilfenahme zweifelhafter oder krimineller Analystenbewertungen? Diejenigen Innovationstreiber, die den Crash damals ueberlebt haben und heute solide und gross oder nur solide sind, hatten auch damals ein funktionierendes Geschaeftsmodell. Die ganzen anderen sind grandios gescheitert und waeren nicht mal an die Boerse gekommen, haette es nicht ein teilweise kriminelles Umfeld (Neuer Markt) gegeben. Ich kann mich Alex nur anschliessen, was im Kleinen funktioniert, funktioniert auch im Grossen und umgekehrt. Da sind die EarlyBirds vielleicht noch hilfreich (wenn auch vielfach nicht mal noetig), aber wenn es zur 3. Finanzierungsrunde geht, sollte sich schon sehr deutlich abzeichnen, ob ein Geschaeftsmodell valide ist. Nenn das Kleinkraemertum, ich nenne es, gesundes Wirtschaften. Von ner Blase und deren Zusammenbruch hat niemand was. Wie ich schon x-fach sagte, die wirklich guten Ideen im eCommerce bzw. Internet sind nach relativ kurzer Zeit profitabel.

  4. Das klingt ja so, als ob schon jemals irgendjemand gezwungen worden ist, Aktien zu kaufen oder sich an Analystenbewertungen zu halten.
    Und apropos: Wie lange hat Amazon gebraucht, um profitabel zu werden? Wie lange Google, um ein Geschäftsmodell zu finden? Es gibt einfach Segmente, da braucht es Wachstumsfinanzierungen.

  5. >Das klingt ja so, als ob schon jemals irgendjemand gezwungen worden ist, Aktien zu kaufen oder sich an Analystenbewertungen zu halten
    Eben und deswegen sind auch gerade die Exits nicht so leicht :-) Und was Amazon und Google angeht, die hatten beide VCs denen sie vernueftig erklaeren konnten, wozu sie das Kapital brauchen. Das Amazon-Modell haette auch so funktioniert, die wollten nur sehr schnell Weltmarktfuehrer werden und brauchten das Kapital deswegen. Und Google brauchte eigentlich von Anfang an sehr wenig Kapital und es war sehr frueh absehbar, wie die monetarisierung der Suche aussehen wird, zumindest soweit ich das verfolgt habe. Einen Boersengang haetten die niemals noetig gehabt.

  6. Ui, jetzt wirds aber langsam dünn in der Argumentation :-)
    Ich empfehle mal ein Video mit Jeff Bezos, in dem er erzählt, wie ihm die Skeptiker die Hütte heiß gemacht haben. Im nachhinein ist man natürlich immer schlauer.
    Aber man muss ja nicht gleich die Börse abschaffen, nur weil man selber nichts mit Aktien am Hut hat, oder?
    Wie gesagt, die nächsten beiden Jahre werden wir viele Börsengänge sehen: Kayak, Facebook, Twitter, Groupon, Gilt, etc.

  7. Oh, das ist glaube ich ne Fehleinschaetzung. Ich denke, ich kann mich durchaus als Spekulanten bezeichnen, vielleicht manchmal auch als Investor, aber zugegeben, mir fehlt in vielen hier zitierten Stories die Fantasie, um darin ein funktionierendes und nachhaltiges Geschaeftsmodell zu sehen und ja, ich wuerde Facebook und Groupon-Aktien kaufen, Twitter eher nicht. Und ganz sicher keine von B4F. :-)

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