Was Facebook mit den Social Deals besser macht als andere

Von Marcel Weiß

Wie im letzten Herbst angekündigt will Facebook Motor für Social Commerce werden und hat jetzt Facebook Social Deals, sein Konkurrenzangebot zu Groupon, LivingSocial etc., in einigen Städten der USA als Testlauf gelauncht. Das ist das zweite Deals-Programm von Facebook nach Facebook Deals, das jetzt "check-in deals" heißt:

fb-social-deals-2

"Check-in deals are free to users; they’re mobile centric and operate like conventional coupons. By contrast Facebook’s new Social Deals, like Groupon or LivingSocial, must be purchased up front using money or Facebook Credits (the first use for real-world products/services). You actually buy a voucher that is then redeemed offline."

Wie Groupon und co. konzentriert sich Social Deals auf lokale Geschäfte. Neben Deals, die vom facebookeigenen Sales-Team abgeschlossen werden, kommen Deals auch von elf Partnern:

  • Gilt City
  • Home Run
  • FreshGuide
  • PoweredByTippr
  • KGB
  • Plumdistrict
  • Zozi
  • OpenTable
  • ReachLocal/DealOn
  • Viagogo
  • aDealio

Das erklärte Ziel von Facebook ist es, sich auf Deals zu konzentrieren, die bereits eine soziale Komponente mitbringen, Events etwa. Das ergibt Sinn: Solche Angebote können sich viel schneller über den Newsfeed von Facebook verbreiten.

Wie bereits in den letzten Extras angemerkt, hat Facebook einen vorhersehbaren aber trotzdem interessanten Redistributionsmechanismus gewählt, der quasi in das Netzwerk schon eingebaut ist:

"you can Like deals without buying them — or before buying them. If you Like a deal it will be exposed through your feed.

You can also share and privately invite selected friends and ask them to join you or expose them to a deal. Facebook users can message each other and discuss the deal as a group before collectively buying."

Ähnliches hatte ich auf meinem Vortrag zum Social-Web-Pattern auf den Live Shopping Days als Beispiel für Redistribution innerhalb des Netzwerkes benutzt:

"Ein relativ banales Beispiel, wie der Kontext für die Ein-Klick-Geste (Das 'Like' bei Facebook etwa) für eine Groupon-ähnliche Dealplattform aussehen könnte:

Ich als Endnutzer sehe in meinem Stream einen Deal, der mich interessiert, ich bin mir aber nicht sicher, ob ich den Deal kaufen will. Ich klicke auf einen "Vielleicht"- oder einen "Interessiert"-Button.

Daraufhin wird mein ambivalentes Interesse an meine Freunde weiterverbreitet. Ganz so, wie ein Klick auf Like auf einer Website den Inhalt im Facebook-Newsfeed veröffentlicht. Meine Freunde können jetzt darauf reagieren und sich mit einem "Hey, das könnten wir zusammen erwerben und dann machen" melden."

Die Sichtbarkeit der Deals dürfte bei Facebook also sichergestellt sein:

"Like traditional daily deals Facebook Social Deals will come through email but also through the Facebook news feed. And they may potentially be exposed via Facebook Ads as well."

Teilnehmende Händler müssen eine Facebook-Page besitzen. Was zunächst als lästige Hürde erscheint, kann ein Weg sein, aus Schnäppchenjägern eher Stammkunden zu machen. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang eine mögliche gegenseitige Befruchtung von Facebook Page und Social Deals:

"With Facebook Social Deals local merchants can direct new customers to Like them on their Page and — voilà — they have a CRM platform. Merchants can then potentially start a “conversation” with these new customers.

While many SMBs set up a Page and then wonder “What now?,” Facebook’s Emily White says deal buyers (new customers) will help flesh out and populate content on SMB Facebook Pages. Indeed, this is the secondary mission of Social Deals — to get more SMBs to create and then really use Facebook Pages."

All das erscheint weitaus durchdachter als der Grouponkonkurrent von Google, der ebenfalls diese Tage in seine Testphase gegangen ist. Google Offers erscheint wie ein plumper Versuch, den Zug nicht zu verpassen. Während Social Deals eher wie eine logische Erweiterung des Grundangebots von Facebook erscheint, die sich gut in den Rest eingliedert.

Facebook hat über 600 Millionen aktive Nutzer weltweit, den für diese Masse an Menschen vielleicht effizientesten Distributionskanal im Netz (der Newsfeed) und konzentriert sich bei seinem Deal-Angebot auf das, worin es gut ist: Social.

Also schlechte Karten für Groupon, LivingSocial und Konsorten? Nein, nicht unbedingt. Wie bei vielen aktuell entstehenden Märkten befinden wir uns auch hier erst am Anfang einer Wachstumsphase. Wir sprechen hier also nicht von Nullsummenspielen, wo das Wachstum des Einen auf Kosten des Marktanteils des Anderen geht.

Und das letzten Sommer gestartete Facebook Places (bzw. auf deutsch Facebook Orte) hat gezeigt, dass ein Markteintritt von Facebook nicht zwingend die spezialisierten Startups verdrängen muss. Foursquare etwa geht es nach wie vor blendend.

Interessant ist vielmehr, ob Facebook irgendwann ähnlich wie bei Facebook Places auch bei den Social Deals eine Plattformkomponente hinzufügen wird. Es wäre sinnvoll und auch konsistent mit dem bisherigen Businessdevelopment des Netzwerkriesen.

Facebook wird neben Kreditkarten auch Facebook Credits als Bezahlmethode akzeptieren.

Die Informationsseite für Händler ist bereist in deutscher Sprache auf Facebook abrufbar.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Facebook, Shopping Widgets, Social Commerce

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2 replies

  1. Vielen Dank für diesen Überblick. Ich finde die Entscheidung, sich vor allem die soziale Komponente vorzuknüpfen wirklich gut. Diese Entscheidung ist eine Verdichtung der ganzen Ambitionen, die Händler derzeit verfolgen und die einfach noch extrem ineffizient sind, zum größten Teil (Facebook Shops, Augmented Reality Anbindung an Facebook, etc.).

  2. Ein Nullsummenspiel ist das ganz sicher nicht, aber eben auch keines, was ALLE gleichermassen wachsen lassen wird. Zumindest in den „alten“ Industrielaendern ist der Zugewinn an Kaufkraft beschraenkt, sprich, das Geld, was ueber Groupon, Facebook, Amazon & Co. ausgegeben wird, faellt irgendwo anders weg. Waehrend sich diese Umsatzstroeme in erster Linie gerade hin zu Webangeboten bewegen, wird die Zeit kommen, wo sich diese gegenseitig kanibalisieren, bei einigen sieht man ja schon erste Anzeichen. Wenn Facebook diese Sache weiterhin so konsequent ausrollt, wird es imho fuer Groupon schwer, da mitzuhalten, schon allein deshalb weil die Groupon-Deals fuer die Merchants meistens ziemlich unattraktiv sind.

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