X.Commerce: Ebay auf der Suche nach dem X-Factor

Ebay, zuletzt auch bekannt als das Yahoo des E-Commerce ("Mein Einerlei für Allerlei"), möchte wieder cooler für Entwickler werden ("EBay builds new division to woo developers")

Dafür hat es sich in Yahoo-Manier zuletzt Magento und ein paar andere leuchtende Sterne am Startup-Himmel geschnappt und möchte diese unter dem Label X.Commerce vereinen, um damit Paypal & Co. voranzubringen.

Xcommercescreen

Bei Reuters ist in dieser Woche ein erster ausführlicher Artikel über die Ambitionen von X.Commerce erschienen, der zwar viel Bezug nimmt auf Apple, aber kein Wort über Amazon verliert, die bei Web-Entwicklern nicht unpopuläre, paypalfreie Zone, die Ebay zunehmend Kopfschmerzen bereitet.

Für den kommenden Monat plant Ebay seine erste X.Commerce "Innovate Conference" – unter dem Motto "Our Platform. Your Imagination".

Und apropos "Your Imagination": Genau hier liegt Ebays Problem. Denn ähnlich wie Yahoo fehlt Ebay die visionäre Kraft an der Spitze. Speziell im Vergleich zu Amazon mangelt es Ebay an einer klaren Vision, die über das übliche Branchengebuzze hinausgeht.

Versteht es ein Amazon wie ein Apple, Google oder Facebook, neue Märkte zu entwickeln und zu gestalten, so macht Ebay vor allem das, was gerade opportun ist. Während also Amazon offensichtlich eine eigenständige Vorstellung von der Zukunft (des E-Commerce) entwickelt hat und mit den Amazon Web Services, mit dem Kindle, dem neuen Tablet, etc. bestehende Märkte sprengt und Perspektiven für komplett neue Märkte entwickelt, hat sich Ebay in eine reaktive Rolle drängen lassen und springt nur auf die gerade gängigen Branchentrends (aktuell: Mobile, Local, Social) auf. Wohl nur eine Frage der Zeit, bis für die Ebay Cloud Services ein Rackspace übernommen wird.

Das sichtbareste Zeichen für Ebays rückwärtsgewandte Strategie ist die zunehmende Fokussierung auf den Händlermarkt. Ebay ist groß und erfolgreich geworden, weil es den Händlermarkt weitgehend ignoriert hat und stattdessen auf Privatkunden und Powerseller/Aktionshändler gesetzt hat.

Heute tummelt es sich dort, wo es am engsten ist und wo sich von Amazon über Otto bis Zalando inzwischen alle (Marktplatzbetreiber) tummeln. Die größte Leistung dabei ist sicherlich, dass Ebay dabei weiter ohne Warenkorb auskommt.

Zukunftsfähige Unternehmen unterscheidet, ob sie sich vornehmlich an bestehenden Märkten (=der Vergangenheit) ausrichten, oder ob es ihnen gelingt, eine Vorstellung davon zu entwickeln, wie die Märkte künftig aussehen werden.

Wer E-Commerce heute immer noch als reines Händlerhilfsprogramm versteht, der hat die Zeichen der Zeit verkannt. Ebay ist hier sicherlich nicht das einzige E-Commerce-Unternehmen, das so agiert, aber eben eines, das schon einmal erheblich weiter war (s. Ebay am Scheideweg).

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Ebay, Open Source

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