Zalando-Lobby sucht „direkten Dialog mit den Politikern“

Dass der Online-Handel, obwohl er mittlerweile zweistellige Milliardenumsätze einfährt und weiter in einem Rekordtempo wächst, immer noch keine politische Lobby hat ("Wie es zur "Button-Lösung" kam"), ist eine seiner größten Schwachstellen, gerade im Wettbewerb mit dem stationären Einzelhandel.

Jenseits von Amazon und Ebay hat das Zalando als einer der wenigen erkannt und in den letzten Monaten begonnen, neben der PR auch die politische Lobby-Arbeit zu intensivieren. Zalando entwickelt sich so zunehmend zum Sprachrohr des deutschen Online-Handels.

Im Zalando-Unternehmensblog hat sich der politische Sprecher Matthias Ernst jetzt erstmals auch öffentlich zu den Lobby-Aktivitäten geäußert:

Zalando2013Q1

"Mit dem starken Wachstum von Zalando in den letzten Jahren haben sich
auch die Anknüpfungspunkte mit der Politik erhöht.

Zum einen verfolgen
wir natürlich die politischen Debatten zu den uns betreffenden Themen
und sorgen dafür, dass die jeweiligen Fachabteilungen immer auf dem
neuesten Stand sind.

Ganz wichtig ist uns darüber hinaus der direkte
Dialog mit den Politikern, sei es zu aktuellen Themen wie der
Entwicklung des Online-Handels oder auch über das Unternehmen generell."

Über das zunehmende Selbstbewusstsein und speziell die PR- und Öffentlichkeitsoffensive der Samwers hatten wir kürzlich in den Exchanges #15 ("Die größten Samwers aller Zeiten") gesprochen, über die tektonischen Marktverschiebungen in den Exchanges #4 ("Die Getriebenen").

Die 500 stärksten Online-Händler treffen sich am 12./13. September in München, um sich über Strategie- und Wachstumsthemen auszutauschen

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Die neuen Händler, Samwer Report

  1. „verfolgen wir natürlich die politischen Debatten…“
    „Fachabteilungen immer auf dem neuesten Stand sind“
    GÄHN! Ganz schön schlafmützig, verhalten und einflusslos: So zeigt sich Zalando (als auch die gesamte E-Commerce-Branche, wenn nicht „Digitalbranche“) im Lobbying. Insbesondere angesichts dessen, was für Probleme vor der Tür stehen! Die Old Economy lacht sich ziemlich ins Fäustchen wie lammfromm Samwer & Co in der politischen Kommunikation sind.
    Wenn man mal nur halb so aggressiv und professionell wie so manches Rocket-Startup agieren würde, wäre man schon weiter. Bisher alles.

  2. Was mich mal bei dem ganzen Online-Hype interessieren würde:
    Gibt es eine signifikante Zahl an Online-Händlern, die nicht nur Umsätze, sondern auch Gewinne machen und eine gute Marge mit ihren Geschäftsmodell haben – und nicht alles quersubventionieren bzw. durch Investoren reingepustet bekommen?
    Man liest überall nur von Verlusten – von amazon über mytoys bis zalando…

  3. @Hagn-Beat Mehr als Belangloses kann er jetzt aber in so einem Blogbeitrag auch nicht von sich geben. Ich würde das trotzdem nicht unterschätzen.
    Der HDE zieht ja seine Strippen auch eher hinter den Kulissen. Und wie da gegen bzw. am Online-Handel vorbei agitiert wird, davon dürfte sich kaum ein Onliner eine Vorstellung machen. Ein Gegenpol ist in jedem Fall dringend nötig.

  4. ich arbeite als lobbyist in berlin und kann da hagen-beats post bestätigen. die deutsche ecommerce-landschaft hat hier kaum etwas zu melden. den zalando-lobbyisten kenne ich nicht persönlich, aber kann man sich vorstellen, dass er mit seinem jungen erfahrungssschatz direkt mit abgeordneten oder gar mit staatssekretären verhandelt? eher nicht. aber das genau braucht es.

  5. @Roland:
    Es gibt durchaus Online-Händler, die Gewinne machen. Es gibt viele stationäre Händler die in den letzten Jahren auch Online als Vertriebsweg aufgebaut haben. Diese Händler sind nicht auf einen schnellen Verkauf ihres Unternehmens aus und wachsen daher ganz anders.
    Zum Beispiel: http://www.shopanbieter.de/news/archives/7301-neue-helden-braucht-der-handel-publikation-local-heroes-von-shopanbieter-de-ebay-und-hde-zeigt-wie-der-kanaluebergreifende-handel-von-morgen-aussieht.html

  6. @Roland
    Es gibt auf jeden Fall einige Online Händler die gut zurecht kommen, ihr Geld verdienen und auch Ihre Mitarbeiter bezahlen können. Es sind glaube ich einfach eher die „kleineren“, die nicht nur auf Wachstum setzen können bzw. wollen.
    Diese Shops geraten nur nicht so in die Presse, weil sie meistens unter 10 mio Umsatz machen, aber bei einer entsprechenden Marge kann man da auch ganz gut leben.

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