Buch/Handel 2020: Warum ein Scheitern von Byliner bedauerlich wäre

„Byliner has sent an email to its authors hinting that the company might not be long for this world.

(…) It’s disappointing because Byliner was clearly trying to apply traditional (read: high) standards of commissioning, editing and royalty payments to a new ebook publishing model.”

Wie PandoDaily aufzeigt, scheinen die Probleme bei dem Subskriptionsdienst Byliner, auf die wir bereits vergangene Woche hinwiesen, gravierender als angenommen: In einer E-Mail an die Byliner-Autoren erklärt das auf journalistische Langformate und Kurzgeschichten spezialisierte Publishing-Unternehmen, es sei nicht gelungen, die gewünschte Wachstumsgeschwindigkeit zu erreichen. Nun hofft Byliner auf eine rettende Übernahme (via New York Times).

byliner

Erste Reaktionen auf die Schwierigkeiten von Byliner schwanken zwischen Hinweisen auf selbstverschuldete (Discoverability-)Versäumnisse (via LitRagger) und generellen Zweifeln am Singles-Geschäftsmodell, wie sie TG Daily äußert:

„The truth is that the Internet is a lousy business model for traditional longform journalism. Companies like Medium may be trying to create a market for longer, essay type articles, but with the proliferation of mobile devices it is hard to see how you can keep people engaged on longform written pieces.”

Neue Vertriebsmodelle

RCS Libri: Marcello Vena, Chef der experimentierfreudigen italienischen Publishers RCS Libri, berichtet bei Digital Book World über positive Erfahrungen mit dem von der Verlagsgruppe gemeinsam mit Amazons KDP ausgelobten Selfpublisher-Literaturpreis Big Jump. Lesenswert ist auch das aktuelle Interview, das Buchreport mit Vena u.a. über Selfpublishing, Kindle-Charts und Innovation führte.

BookReels ist eine neue Online-Plattform für Buch-Trailer. Gründer Dan Rosen berichtet bei Publishers Weekly über das Modell von BookReels und erklärt, wie er den verkaufsfördernden „MTV-Effekt“ auf Bücher übertragen will.

Authropreneurs: Erfolgs-Selfpublisher wie Hugh Howey und H.M. Ward gehen bei der Selbstvermarktung ausgesprochen professionell vor – und wachsen zunehmend selbst in die Verlegerrolle: beide Autoren kündigten nun unabhängig voneinander eigene Verlagspläne an. (via Buchreport)

Personalisierung: Beispielsweise im Kinderbuchbereich sind personalisierte Bücher bereits ein gängiges Modell. Auch „Game of Thrones“-Autor George R.R. Martin will im Rahmen einer Charity-Aktion nun Leser als Charaktere in sein nächstes Buch einarbeiten. Good eReader sieht darin eine probate Geschäftsstrategie für verlagsunabhängige Autoren z.B. im Romance-Bereich.

Subskriptionsdienste

Skoobe: Beim Hype um All-you-can-read-Plattformen wie Oyster oder Scribd bleibt der deutsche Abo-Dienst Skoobe immer etwas außen vor. Im Rahmen einer Partnerschaft mit dem amerikanischen Holtzbrinck/Macmillan-Imprint Tor Books erweitert Skoobe nun seine Bandbreite um eine Vielzahl englischsprachiger Titel. (via Börsenblatt)

Entitle: Auf die Zugkraft eines zusätzlichen Verticals setzt der US-Subskriptionsdienst Entitle. Die Plattform hat mit Entitle Christian einen auf religiöse Inhalte spezialisierten Kanal gestartet. (Pressemitteilung)

Struktureller Wandel

Amazon treibt die Integration seiner Lese-Anwendungen voran: Das Unternehmen hat die Vorlesefunktion von Audible nun auch in seine Kindle-App integriert und erleichtert damit den Zugang zu dem Service Whispersync for Voice („Buch/Handel 2020: Whispersync und Comics mit Soundtrack“). (via GigaOM)

Terminologie: Am Beispiel des Wahrnehmungswandels, der sich hinter der Benennung von Henry Fords erstem „Quadricycle“ und seinem revolutionärem „Model T“ verbirgt, blickt Joe Wikert auf den Entwicklungsstand der Buchbranche:

„When will the same thing happen with digital content? When will the term “ebook” feel as funny and old-fashioned as horseless carriage or Quadricycle?“

Buchhandel im Umbruch

Osiander: Die u.a. von Brandeins als Gegenbeispiel zu den kriselnden Buchketten gefeierte Osiandersche Buchhandlung setzt mit einer neuen App auf die Anzeige stationärer Verfügbarkeiten, Click & Collect sowie mobiles Bezahlen. (via Buchreport)

Hugendubel setzt nach der Trennung von Weltbild den Filialrückbau fort und schließt eine seiner beiden Filialen in Hannover. (via Börsenblatt)

Unter der Rubrik Buch/Handel 2020 bringen wir jede Woche das Spannendste zu den strukturellen Umbrüchen in der Buchbranche („Buchlos in die Zukunft“).

Die Rubrik gibt es auch als Feed und als E-Mail-Newsletter.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Buchhandel

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