Rocket Internet: Neuer Investor treibt die Bewertung auf 3,3 Mrd. €

Rocket Internet erweitert seinen Investorenkreis und gibt 10% der Anteile für 333 Mio. Euro an die börsennotierte philippinische Telefongesellschaft PLDT ab. Die Bewertung explodiert damit im Vorfeld des Börsengangs auf 3,3 Mrd. Euro. Kinnevik schreibt:

rocketinternet

„Investment AB Kinnevik today announced that Philippine Long Distance Telephone Company („PLDT“) has acquired a 10% ownership interest in Rocket Internet AG through a EUR 333m directed share issue subscribed for in cash.

The strategic investment values Rocket Internet on a post money basis at EUR 3.3bln (SEK 30.7bln). Post-closing, Kinnevik will own a 21.5% interest in Rocket Internet.“

Mehr zu dem PLDT-Deal auch in der ausführlichen Pressemitteilung von Rocket Internet.

Rocket Internet hat 2013 bei erheblichen Verlusten („Kinnevik meldet Mega-Verluste für Rocket Internet Beteiligungen“) Umsätze von 700 Mio. Euro erzielt und verkauft sich gerade als das Alibaba für den Rest der Welt.

Die Samwers halten über den European Founders Fund nun noch 59% an Rocket Internet (vorher: 66%). Access Industries, der vierte im Bunde, dürfte demnach bei 9,5% liegen.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Samwer Report, Shopboerse

  1. Ich bin mir nicht schlüssig: Worüber sagt diese Bewertung eigentlich am meisten? Über die Qualität des Unternehmens Rocket Internet AG? Oder über das Talent von Oliver Samwer als Geldstaubsauger? Oder über die Blauäugigkeit philippinischer Telekom-Manager?

  2. Ja mit Sicherheit zweiteres, schon klar :-)))

  3. Also wenn ich ihn zum Beispiel englisch reden höre, denke ich häufig, dass jede normalgebildete Reinigungskraft besseres Business English beherrscht als er ;)

  4. In der am kommenden Montag (11.8.) erscheinenden Wirtschaftswoche findet sich ein Artikel über die „Dividenenkönige“ Deutschlands. Darin steht, dass Rocket Internet den Samwer Brüdern in diesem Jahr eine Dividende von 280 Mio Euro ausgeschüttet habe. Zitat WiWo 33/2014: „Einmalige Vorabdividende auf Börsengang“

    Falls diese Info stimmen würde, fände ich diese Vorgehensweise reichlich frech: Die bisherigen Eigentümer ziehen massig Geld ab, machen Kasse und lassen die Liquidität durch neue Aktionäre auffüllen.

    Mich beschleicht der Eindruck, dass 280 Mio ausgeschüttete Dividende höher ist als der operative Gewinn, den alle Rocket Gesellschaften jemals zusammen erzielt haben.Klingt fast nach dem Geschäftsprinzip „Take the money and run!“

    • stimmt, das hatte die Wirtschaftswoche Anfang Juli schon mal „enthüllt“:
      http://www.wiwo.de/erfolg/gruender/rocket-internet-samwer-brueder-machen-schon-vor-boersengang-kasse/10151074.html

      Das war aber bei Rocket Internet die gängige Praxis von Anfang an – wie sich in den Kinnevik-Berichten nachlesen lässt.

      Die Rocket-Investoren erwarteten offenbar von Beginn an (und unabhängig vom Erfolg) eine Dividende auf das eingesetzte Kapital. Und zum Teil wurde diese ausgezahlt, zum Teil in (Zusatz-)Anteilen vergolten.

      Vielleicht hat jemand (aus der VC-Welt) Ahnung, wann man so ein Modell fährt.

      Hier der Link zu der Dividenden-Vorabmeldung:
      http://www.wiwo.de/unternehmen/mittelstand/dividenden-geldsegen-fuer-die-familien-porsche-und-piech/10309786.html

      Danke für den Tipp!

      • Wie geil ist das denn? Bisher dachte ich, dass Dividenden Gewinnausschüttungen seien. Da die Rocket Beteiligungen keinen operativen Gewinn erwirtschaften, kann es also nur eine Ausschüttung auf Buchgewinne sein, die durch eine höhere Bewertung der Rocket Beteiligungen entstehen.

        Wie kommt es zu den höheren Bewertungen? Ganz einfach: Finde einen Dummen, der zu einer aufgerufenen Fantasiebewertung bei Kapitalerhöhungen Deiner Beteiligungen mitmacht. Dann finde noch einen Dummen, der bei einer Kapitalerhöhung Deiner Muttergesellschaft Rocket mitgeht (wie jetzt die Philippinos), damit dort genug Zaster in der Kasse liegt, um den Altaktionären eine Dividende auszuschütten.

        Nun ja, von diesem Zirkus wird es einige Runden geben, so dass die frühen Investoren sogar auch noch mit einem Plus nach Hause gehen werden. Je später man einsteigt, desto zweifelhafter werden die Gewinnchancen.

        Gewiss bestehen gewisse Chancen, dass die Samwer Autobiografie einst überschrieben sein wird: „Wie wir dumme, reiche Menschen etwas ärmer machten.“ Da das Kapitalerhöhungs- und Ausschüttungsspiel wohl noch bis zu einem Börsengang fortgeführt werden wird, bei dem Putzfrauen und Taxifahrer Rocket-Aktien zeichnen, könnte das Buch dann sicherlich auch heißen: „Wie wir dumme, arme Menschen noch ärmer machten…“

      • bis jetzt herrscht in jedem Fall noch das Madoff-Prinzip. Bin jedenfalls gespannt, ob sich das noch irgendwann dreht. Oder ob sie so durchkommen.

      • @Christian Rothe:
        Du hast das Vorgehen als kundiger Beobachter durchschaut und den treffenden Buchtitel aus den Machenschaften abgeleitet, aber „offiziell“ wird so etwas nie kommuniziert werden. Die Insider wissen aber natürlich Bescheid wie das abläuft.

        Es gab im Jahre 2011 mal den erhellenden Moment auf einer Startup-Konferenz in Berlin, als sich ein ehemaliger Gründer (und durch Exit – mit Samwer Beteiligung – Multimillionär geworden) bei seinem Vortrag auf den Tisch gestellt hat (!) und lautstark verkündet hat, dass sein einziges Ziel der Unternehmensgründung war, ein Vehikel zu schaffen um „dummen Erben“, „dummen Multimillionären oder Milliardären“ beim Exit dutzende Millionen aus der Tasche zu ziehen, da diese ohnehin nichts mit ihrem Geld anzufangen wissen und es doch besser sei, dieses dann durch Angel-Investments wieder dem „Ökosystem“ Startupszene Berlin zufließen zu lassen (und natürlich in die eigene Villa und Ferrari).

        Ich finde das Vorgehen an sich ok, da alle Investoren bis zum jetzigen Stadium mündige Wirtschaftssubjekte sind.

        Was dann nach zum Rocket-IPO passiert, ist nochmal eine andere Nummer da dann auch dumme Kleinanleger mit reingezogen werden.

  5. Lieber Herr Krisch, bin ich wirklich ganz billigen Shit am rauchen, oder trifft sich in Ihrem Blog der neue Club der anonymen Neider?. Ich sage Ihnen was ich nicht verstehe. Frage 1. Seit den Samwers hat es in diesem Land niemand auch nur annähernd auf diesem Niveau geschafft, solche Projekte auch nur im Ansatz „hinters“ Ortsschild zu exportieren, oder richtig Geld ins Land zu „importieren“ Frage 2. Glauben Sie im ernst, das solche Unternehmen aufgebaut werden, indem sie als CEO jeden Morgen am (Personal)Eingang stehen und jedem Mitarbeiter die Hand schütteln und fragen, ob auch wirklich! alles zuhause im Garten stimmt und ob es dicke Tomaten 2015 gibt? Frage 3. Es ist eine einzige DEUTSCHE Erfolgsstory die durch diese 3! Brüder einfach durchgezogen wird und wieso wird das angegriffen. Frage 4. Glaubt hier jemand das in den USA Nüsse gehandelt werden und dort nicht auch „Phantasie verkauft wird? Fakt 5. Ist das Medium Internet nicht in jedem Projekt „Glaskugel“ reiben? Habe ich nicht auch ( binnen 16 Jahren ecommerce Mechanik bauen) gelernt, das dieses Medium die ZUKUNFT gestalten soll und somit keiner genau wissen kann, was am Ende „herausspringt“. Frage 6. Glaubt hier jemand wirklich das alle Investoren Blinde sind, die jedoch mit Farbe handeln?

    Ganz ehrlich lieber Herr Krisch, seit langem bin ich etwas enttäuscht wie auch Sie auf solche (anonymen) Kommentare reagieren und sich nicht mehr auf dem Nievau verhalten, wie Sie das mal getan haben. Bitte sehen Sie meine Botschaft hier nicht als persönliche Kritik an Ihnen, aber als Wunschbotschaft. Im B2B eCommerce nehme ich eigentlich nichts, aber auch garnichts wahr auf Ihrem Blog. Ist das Absicht?

    Aber das Gejammer der „anonymen“ hier finde ich echt langweilig und auch ehrlich gesagt, ätzend. Wir sind als Branchendienstleister wirklich froh, wenn Projekte und Kunden Investoren überzeugt bekommen und Vertrauen und Investoren in ZUKUNFT investieren. Das brauch dieses Land. Wie gesagt, nur meine Meinung. Weiterhin viel Erfolg!

    • Ich glaube, diejenigen, die jegliche sachliche Kritik an den Samwers als Neid-Debatte abtun, haben das „System Samwer“ nicht verstanden. Jeder, der Hr. Krisch´s Blog regelmäßig und aufmerksam verfolgt dürfte inzwischen verstanden haben, was im Hause Samwer vor sich geht. In einem anderen Beitrag hat es jemand trefflich kommentiert: substanzloser Gigantismus. Das trifft es exakt auf den Punkt.

  6. Die Samwers sind keine eCommerce-Unternehmer oder irgendwas in der Richtung. Sie verkaufen Träume – und auch das nicht an Endkunden sondern in einem kleinen Kreis aus Leuten die sowieso sehr viel Geld haben. Bei all der Kritik an den menschlichen Ambitionen dieser drei Brüder sollte immer auch bedacht werden, dass sie das Thema eCommerce generell für alle vorrantreiben. Es protifieren also auch die vielen echten eCommerce-Unternehmer, Startups und weitere Dienstleister davon.

    Die Samwer sind auch einige der wenigen deutschen die es tatsächlich schaffen eine Vision zu verkaufen. Leider ist das in den Genen der bodenständigen sachlichen deutschen nicht so vorhanden wie in den USA.

    Sieht man sich aktuell die Presse zu Fab an merkt man sehr schnell welch massiven Unterschiede da sind. Da wurden 350 Mio. Dollar verbrannt und dennoch wird das Ganze noch gefeiert. Welcher Unternehmer in Deutschland würde sich trauen nach solch einer Pleite noch 100 Mio. Dollar für die Überreste dieses Desasters zu fordern und dafür noch „Unterstützung“ der Presse erhalten?

    Man kann sich fragen welche Maschinerie die wohl ethisch korrektere ist – aber die tatsächlichen Dickschiffe im eCommerce kommen eben nicht umsonst aus den USA. Leider.

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