Rewe erteilt dem Online-Handel eine klare Absage

Seinen vollmundigen Ankündigungen zum Trotz (““Wir wollen Geschichte schreiben” – Macht REWE online wirklich ernst?”) hat Rewe-Chef Caparros gestern auf der Bilanzpressekonferenz dem Online-Handel eine bemerkenswert klare Absage erteilt:

rewelieferservice

„Online hat nur einen Sinn für uns, wenn der stationäre Handel profitiert. Rein Online interessiert uns nicht.“

Kundenorientierung sieht zwar anders aus. Und wie smart es ist, Rewe im Zuge der Neuausrichtung stationärer zu positionieren als es sein müsste, wird sich weisen.

Klar ist damit aber auch, warum Rewe Online dabei zum Lieferservice degradiert wurde („Dein Markt: Wie sich Rewe die (Online-)Zukunft vorstellt„).

„Beim Lieferservice haben wir eindeutig einen First Mover-Vorsprung“

Seine Lieferflotte jedenfalls baut Rewe weiter kräftig aus („Was Rewe für seinen Lieferservice in Berlin so alles auffährt„). Rewe-Chef Caparros:

reweberlin

„Beim Lieferservice mit Lebensmitteln haben wir eindeutig einen First Mover-Vorsprung.“

Doch wie sieht es mit Non-Food aus, wenn Edeka im Rahmen der Tengelmann-Übernahme nicht nur Bringmeister („Wenn Tengelmanns Bringmeister für Edeka liefert„), sondern auch Plus.de und GartenXXL bekommt?

Die Allyouneed-Ambitionen von Real und Edeka

Schließlich haben auch Metro und Real mit der Hitmeister-Übernahme gerade erst ihre Allyouneed-Ambitionen („DHL gibt Meinpaket auf für Allyouneed„) unterstrichen.

Rewes erster Versuch im Non-Food-Bereich ist Gartenliebe („Rewe startet sein “Online-Gartencenter mit Herz”„), ein Crossventure, das deren Angaben zufolge „mit einem mittleren einstelligen Millionenbetrag ausgestattet“ ist.

Für die Tengelmann-Filialen würde Rewe 450 Mio. Euro springen lassen. Im Vergleich dazu ist man online noch relativ sparsam unterwegs („Rewe hat Commercetools und Zooroyal für 11 Mio. € ergattert„). Nach Home24 („Rewe Group steigt bei Home24 ein„) hat man sich zuletzt an Barzahlen beteiligt.

Rewe holt E-Commerce-Geschäftsführer von Lidl

Wo die Reise hingeht bei Rewe Digital, unterstreicht die Fülle an offenen Positionen. Neu an Bord ist seit Februar der langjährige Lidl-E-Commerce-Geschäftsführer Carsten Schmitz – als Director Omnichannel.

Dieser darf sich jetzt u.a. um die Integration von Zooroyal kümmern („ZooRoyal und REWE wachsen weiter zusammen“).

Interessant ist, dass – von Gartenliebe über Weinfreunde bis Zooroyal – inzwischen alle Rewe-Online-Aktivitäten in irgendeiner Form „REWE“-gebrandet sind.

Mit den jüngsten Entwicklungen im Lebensmittelmarkt vor Amazon Fresh befassen wir uns auch in den neuen Exchanges #134.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Food, Shopboerse

12 replies

  1. Das vermeintlich erstaunliche Statement ist doch einfach mit den mächtigen selbständigen Kaufleute der REWE-Gruppe zu erklären. Wenn diese, die ja einen Großteil des REWE Umsatzes durch rein stationären Handel verantworten, keinen Spass mit der eCommerce-Aktivitäten haben, wird sich auch der erfolgreichste Vorstand dort nicht lange halten. Was sollte Caparros also sonst sagen?

    • Erstaunlich ist der Backlash ja nur, da er es a) schon anders formuliert hat und Rewe ja b) weiter hochkarätige Leute für sein Digitalteam gewinnen will. Insofern finde ich derlei kontraproduktive Aussagen von der Konzernspitze schon bemerkenswert.

      • Caparros erteilt einem „Online-Only“-Ansatz eine Absage. Ich verstehe nicht, warum man mit einem offensichtlichen Multichannel-Ansatz mit stationären Lieferfähigkeit, die seinesgleichen sucht, keine Hochkaräter für Online finden sollte. Wo ist da der Zusammenhang?

      • schon mal mit Leuten von Amazon oder Zalando gesprochen, wieviel Lust sie auf derlei Themen haben? (Mal abgesehen davon, dass sie unter den Voraussetzungen eine Fehlbesetzung wären)

  2. Was hier in diesem Beitrag leider nicht gesehen wird, dass es längst einen shift dahin gehend gegeben hat, dass der „online touch“ eines eines potentiellen Kunden weitaus wichtiger für den stationären Einkauf geworden ist, als noch vor einigen Jahren.
    Scott Galloway => It’s e-influence not e-commerce“ => https://www.youtube.com/watch?v=Pw-CS1WOe1Q&feature=em-subs_digest
    Es ist also überhaupt kein erstaunliches Statement von Caparros – sondern reflektiert nur aktuelle Entwicklungen des Informations- und EInkaufsverhaltens.

    • (Scott Galloway als Referenz erübrigt eigentlich eine Antwort. Aber es soll ja Leute geben, die sowas ernst nehmen …)

      Hier im Blog gehts aber auch nicht darum, was wichtig „für den stationären Einkauf“ ist, sondern was bequemen Online-Handel auszeichnet. Siehe Amazon Fresh, Prime Now, LeShop, Ocado und andere.

      Und auch REWE hätte ja jenseits des Filialgeschäfts jede Menge guter Möglichkeiten, um online mitzuhalten. Die nimmt man sich jedoch mit so einer Einstellung …

      • Sorry, aber das erzeugt nur Kopfschütteln. Hier wird überhaupt nicht auf die Fakten eingegangen. Online und stationär sind nicht mehr zu trennen. (Galloway hat harte Fakten/ Zahlen zum Konsumentenverhalten). Auch Amazon und Ocado haben das begriffen. (Siehe Morrison) Schauen wir doch mal wie lange es dauern wird, bis Amazon einen grocerer übernimmt.

      • Nein, Galloway geht von einem Ist-Zustand aus und leitet daraus Schlüsse für die Zukunft ab. Das ist in Umbruchzeiten – mit Verlaub – so ziemlich das Dümmste, was man machen kann.

        Amazon und Ocado bieten – als Onliner! – Dienstleistungen für Morrison an, das sich selbst nicht mehr zu helfen weiß. Gute Aussagen/Einschätzungen dazu auch von Rewe CDO JJ van Oosten https://www.youtube.com/watch?v=jsLF3bwRD4g

      • Hallo Jochen, Amazon und Ocado haben sich einen fast am Boden liegenden Player mit Warehouse Netz gesucht und da hat sich Morrison angeboten. Bin mal gespannt, wie und ob Amazon diese Strategie weiterverfolgt. Zum Thema Zukunftsprojektion:

        Uns steht ausser der Glaskugel eigentlich nur ein anerkannter und erprobter Mechanismus zur Verfügung: Trends der Vergangenheit zu analysieren und diese in die Zukunft zu projizieren. Durch die predictive analytics Algorithmen wurde dies in den letzten Jahren verfeinert.
        Beispiele sind ja vielfältig: Wetter, BPI des nächsten FY, praktisch jedes Unternehmen, das einen Forecast abgibt (also zumindest schon mal jedes börsennotierte Unternehme) macht das genau so. Nun steht Galloway mit seiner Meinung ja nicht allein da. Ich mag seine reißerische Art und Weise Erkenntnisse zu zeigen genauso wenig. Aber Forrester hat recht ähnliche Zahlen in einem Report in dem November 2015 veröffentlich: „One Customer, One Organization, One P&L“

        Aus Lizenzgründen muss ich das mal sinngemäß übersetzten:
        Digitale Touchpoints beeinflussen mehr und mehr in-store sales. Kombinierte Online sales (s.g. web-influenced sales – Transaktionen die in einem physischen Store stattfinden nachdem ein Kunde zuvor ein Online Engagement hatte) übersteigen mittlerweile den reinen Online pure play Umsatz.
        Der Trend ist also da – mal schaun, was unsere Industrie daraus macht.

      • Einspruch: Neben der Glaskugel steht uns für Zukunftsszenarien schon auch noch der gesunde Menschenverstand zur Verfügung.

        „Nun steht Galloway mit seiner Meinung ja nicht allein da“, ist ein sehr schwaches Argument. Entscheidend ist nicht, wieviele die Meinung teilen, sondern ob die Argumentation stichhaltig ist.

        Und daran haperts eben bei Galloway, bei Forrester und bei vielen anderen, die niemanden verschrecken wollen und deshalb eher opportunistisch argumentieren.

  3. Was ich oben schon antwortete: Caparros will nur kein Online-only. Sonst hat er keinen Abstand von Online genommen…

    • Online ist online. Die Frage ist doch: Will Rewe ein online-getriebenes Unternehmen oder ein filialgetriebenes Unternehmen sein?

      Schlimmer als die Absage an Online-only ist deshalb mE die Aussage: „Online hat nur einen Sinn für uns, wenn der stationäre Handel profitiert.“

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