Zalando übernimmt Tradebyte für seine Plattformstrategie

Nach der Beteiligung an Anatwine („Zalando steigt mit 20% bei Anatwine ein – zur Anbindung von Marken“) hat Zalando jetzt auch Tradebyte übernommen:

tradebyte2016

„Um die Warenbestände der Partner noch besser digitalisieren und erfolgreich an verschiedene Handelskanäle anschließen zu können, hat Zalando im Mai 2016 die Tradebyte Software GmbH erworben.

Tradebyte ist einer der führenden europäischen Anbieter von Integrationslösungen für Einzelhändler und Marken, insbesondere im Fashion- und Lifestyle-Sektor.“

Damit bestätigen sich die entsprechenden Übernahme-Gerüchte in den Kommentaren.

Über Tradebyte als Backbone für die neue Marktplatzwelt hatten wir gerade erst in den Exchanges #137 geschwärmt („Die rasante Dynamik der Marktplätze„).

Auf dem jüngsten E-Channels-Day von Tradebyte war Zalando bereits sehr präsent.

Zalando setzt neben dem eigenen Partnerprogramm („Adidas und Zalando mit Details zur neuen Vertriebspartnerschaft“) zunehmend auf mobile Marktplätze und hat zuletzt u.a. Movmnt („Zalando enthüllt Movmnt-Strategie auf dem Kapitalmarkttag“) und Fleek präsentiert („Exchanges #131: Fleek und die Zalando Mobile Offensive“).

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Shopboerse, Shoptech, Zalando

24 replies

  1. Tradebyte ist m.E. der Platzhirsch bei den Middlewareanbietern und Zalando ist ja auch nicht so ganz klein :-) Also eine durchaus veritable Kraft, die das Thema Marktplätze vorantreiben wird. Wobei ich den Terminus „Warenbestände digitalisieren“ noch passender finde. Er beschreibt sehr gut, wie sehr sich die Wertschöpfungskette im Handel atomisiert und es mehr und mehr Spezialisten für einzelne Schritte gibt (Auf Vertriebsseite z.B. spezialisierte Shopping Apps wie fleek,amaze, etc… wer hätte sowas vor ein paar Jahren gedacht?)
    Vielleicht in ich befangen, aber über diesen Deal könnte man in ein paarJahren mal als Startschuss sprechen, wenn es um die zunehmende Bedeutung dieser digitalisierten Warenströme geht.

  2. so kommt man nun auch schön an die Transaktionsdaten, was wo wieviel geht, cleverer Buy

    • Ich denke Otto und Co kann problemfrei mit Tradebyte ausmachen dass da keine Daten an das Copy-Cat-Zalando gehen.

    • Genau das wollte ich auch gerade schreiben. Die Frage ist, ob die anderen Marktplätze das so reaktionslos hinnehmen. Einer Otto.de dürfte nicht gefallen, dass Zalando nun einen großen Teil der Orderstatistik seines Partnergeschäftes sieht und (ggf. exklusiven) Zugriff auf die Warenbestände der Partner hat. Da kann man „gemeine“ Sachen mit anstellen.
      Von Zalando war das jedenfalls extrem clever. Aber der sieht man mal wieder, wer wirklich eine konsequente Strategie verfolgt und wer halt „nur dabei sein“ will.

  3. Ein absehbarer Zug, bzw. man könnte auch sagen, dass sie zuvor schon sehr eng waren.

    Für alle anderen Martktplätze wie Otto, Amazon, ebay & Co könnte das aber auch eine äußerst kritische Entwicklung sein. Wer möchte seinem Mitbewerber alle(!) Transaktionsdaten auf dem Silbertablet präsentieren.
    Für Hersteller und Marken bedeutet das auch eine zusätzliche Herausforderung bei Preis und Orderverhandlungen. Wenn man die Zahlen/Volumen von Otto und Amazon kenne, kann Zalando natürlich anders Ordern.

    Die größeren „freien“ Middleware Anbieter im Fashionbereich wie Novomind und Fortuneglobe werden sich sicherlich freuen.

  4. Ich bin auch beeindruckt von der konsequenten Strategieumsetzung der Zalando-Jungs. Sie machen echt bold moves.
    Allerdings finde ich, dass die Börse bis dato diese Strategie noch nicht versteht/anerkennt, alleine heute ~-6%. Hoffe mal, dass sich die ganzen Investments auszahlen werden. Was denkt ihr?

  5. Stichwort „Spionage“:Ich gebe zu, dass war auch mein erster Impuls. Aber mit ein wenig Nachdenken: Zum einen bleibt Tradebyte rechtlich eine eigene Firma, zum anderen wird Zalando peinlichst darauf achten, dass genau das nicht passiert. Denn wenn so etwas publik wird und sich alle andere Player von Tradebyte verabschieden, wäre die Akquise ja nicht zwingend sinnvoll gewesen :-) (Von Compliance-Komplikationen mal ganz zu schweigen)
    Und: Ich hielte den Mehrwert auch gering. Dafür sind im Modegeschäft die Zahlen einfach nicht sinnvoll vergleichbar und keiner kennt ja die genauen Hintergründe für Abverkäufe und Quoten. Zalando hat sicher schlauere Prognose- und BI-Methoden als Datenklau, das wäre zumindest meine Hoffnung :-)
    Ich denke daher nicht, dass die freien Anbieter jubeln. Immerhin hat im Wettbewerb der Middelwareanbieter jetzt der Martkführer noch mal einen Turbo dazubekommen und das dürfte dafür sorgen, dass Kunden auf Tradebyte bald mit deutlich anderen Möglichkeiten unterwegs sind als andere. Aber klar, Time will tell.

    • Sobald Daten verfügbar sind, werden sie gerade bei einer auf KPIs ausgerichteten Company wie Zalando auch genutzt.
      Es geht ja nicht direkt um die Analyse einer bestimmten EAN – Trends, Dynamiken, Entwicklungen, Peergroup-Analysen usw. lassen sich in einer Firmengruppen problemlos „anonymisiert“ verarbeiten und auch teilen. Zusätzlich nutzen einige Tradebyte auch für die Steuerung des Onlineshops – auch eine wunderbare Quelle für Daten. Und darüber hinaus sind in Tradebyte ja auch nicht nur die Transaktionszahlen sichtbar – häufig ist die Middleware ein Spiegel des eigenen ERPs. Man kann Zalando zu diesem Schritt also nur gratulieren.

      Aus meiner Sicht könnte man hier aber bei einer genaueren Analyse auch ein paar wettbewerbsrechtliche Themen finden.

      Sicherlich können sich About you, Klingel, Otto usw. nicht direkt von Tradebyte „abwenden“, sie haben sich ja teilweise dafür richtig eingerichtet – aber langfristig wird das keiner dieser direkten Konkurrenten von Zalando als Setting akzeptieren können.

      Und auch bei den größeren Kunden wie Avarto, SportScheck usw. werden vermutlich die Alarmglocken läuten.

      Aus Sicht von „heypaula“ als Nutzer von Tradebyte mag es erstmal positiv sein, dass (wahrscheinlich) in die Software investiert werden wird – aber braucht Zalando jmd. wie „heypaula“ noch, wenn das Team dort mit der eigenen Software arbeitet? Aus Sicht von Zalando kann man nun noch direkter auch auf die Hersteller/Marken zugreifen und eine Dienstleistung „Multi-Channel“ komplett neben einem der größten Marktplätze anbieten. Das ist letztendlich ja die Plattform-Strategie von Zalando. Und heypaula investiert in neue und unbekannte Marken – und Zalando kann sich dann aus dem Datenpool bedienen (auch für Marken die nicht bei Zalando live sind) und sobald es sich lohnt sie selbst machen.

      Beispiele aus der Amazon Welt gibt es vielfach. Auch dort werden Daten aus Amazon Payments oder die Daten aus FBA des eigenen Onlineshops eigentlich nicht genutzt…

    • Ich glaube auch, dass siehst Du zu idealistisch. Für Zalando war das imho eine klassische Make-or-buy Entscheidung. Die brauchen sowas wie TradeByte und sie können es selbst bauen, das braucht Zeit und Know-How. Oder sie können einfach was kaufen, was schon da ist und gut funktioniert und vor allem schon etliche Partner drauf hat. Ich glaube, Zalando ist es egal, wie viel Geschäft durch TradeByte auf den anderen Marktplätzen läuft, das wollen sie ja perspektivisch eh zu sich ziehen. Maximal dürften daher noch die Daten interessieren.

      • @Claus…ich bin durchaus gerne Idealist :-) Und es mag sein, dass das alles so kommt. In meiner Erfahrung ist Kooperation jedoch langfristig stets die beste Strategie. Und ich bezweifel, dass Zalando möchte, dass das ganze Business nur über sie läuft – das würde das Thema nämlich in Summe eher abwürgen als befeuern. Sicherlich gibt es Themen, die besprochen werden müssen, eine destruktive Spriale in die eine oder andere Richtung sehe ich eher nicht.

        @Rainer, wenn heypaula obsolet wird, weil Zalando via Tradebyte Zugriff auf Daten hat, die die sie sonst nicht hätten, dann wären wir auch zurecht weg :-) Dann braucht uns keiner.

        Finde die Diskussion aber spannend, die so eine Akquise auslöst, das spricht einfach für die Relevanz des Ökosystems „Plattformhandel“.

      • @heypaula Ja, man muss die Sache nur andersrum denken, Otto und Co. speisen Ihre Produkte über TradeByte als Lieferant auf Zalando ein. ;-)

  6. Herzlichen Glückwunsch an Zalando als auch Tradebyte!

    Tradebyte ist eine unglaublich gute Software und auch Firma. Der Weg zur jetzigen Position war sicherlich nicht immer einfach (man bedenke das Aus von Quelle und Neckermann zwischendurch…) und ich hoffe es hat sich massiv für die Gründer ausgezahlt. Bin mal auf die Übernahme-Summe gespannt.

    Aber auch Zalando zeigt damit wie entschieden sie vorgehen. Aus dem ehemaligen Copycat hat sich tatsächlich etwas entwickelt das in Europa einmalig ist und das Management hat erkannt worum es in Zukunft gehen wird.

    Die ganze Transaktion zeigt auch mal wieder wie alte Handels-Platzhirsche das Ganze verschlafen haben oder nicht bereit sind da richtig zu investieren. Otto beispielsweise arbeitet auch über die einzelnen Tochter-Firmen mit Tradebyte – wieso haben die nicht schon früher zugeschlagen? Oder war es evtl. sogar ein Bieter-Rennen? Auch für eine Metro wäre doch ein Tradebyte spannender gewesen als ein Hitmeister (nichts gegen Hitmeister selbst)?

    Daten auf SKU-Basis interessieren heute eh nicht mehr bei den größeren Playern. Es geht mehr um ganze Themenbereiche. Wenn Thema X bei Amazon-Mode so ein Renner ist kann man natürlich (mit dem Wissen) schneller auf Trends aufsteigen oder neue Bereiche in die eigene Plattform aufnehmen. Dazu braucht man übrigens keine Schnittstellen oder Excel-Dateien – da reicht ein Gespräch auf einem Event (selbst erlebt) oder eine vertrauenswürdige Quelle.

    Dennoch wird das Ganze weder Zalando noch Tradebyte schaden. Was sollen die Händler und Marken auch machen? Sie sind das Problem der offensichtlichen Daten-Freigabe schon von Amazon gewohnt und niemand kann es sich leisten deshalb nicht mehr bei den Plattformen zu verkaufen. Alle sind auf Wachstum getrimmt und Marktplätze sind der einfachste sowie günstigste Weg dazu.

  7. Die Frage ist meiner Meinung nach weniger, ob vertrauliche Kundendaten TradeByte verlassen, da glaube ich schon, dass sowohl TradeByte wie Zalando großes Interesse haben, dies zu gewährleisten. Die Frage ist eher, ob z.B. ein Otto daran interessiert ist, die Zalando Gruppe zu stärken. Oder ist es einfach ein Zufall, dass Zalando nicht mit Hermes versendet?

  8. zwar nur ein kurzes, aber immerhin ein Statement von Tradebyte zur Zukunft unter Zalando:
    https://www.tradebyte.com/tradebyte-und-zalando-vertiefen-zusammenarbeit/

  9. Ich finde das es für Otto herzlich egal ist – die Frage ist m. E. nach eher ob die Marken noch tradebyte nutzen wollen. Der Einkauf von Zalando weiß jedenfalls in Zukunft wieviel Volumen Marke X exakt wo macht, da ist es einfach entsprechende EKs zu holen!

Trackbacks

  1. Debatte: Wie gut oder schlecht ist Zalando für Tradebyte? – 10 Jahre Exciting Commerce
  2. Jochen Krisch: Ricardo, Siroop und was die Schweizer online wirklich wollen | Carpathia: E-Business, E-Commerce, Cross-Channel, Digital-Transformation Blog
  3. Exchanges #140: Stylight, Tradebyte und die Kunst des Exits – 10 Jahre Exciting Commerce
  4. Zalando, Zipcart und das Fashion Connector Team in Helsinki – Exciting Commerce im 12. Jahr
  5. Wie sich Zalando den Zugang zur Startup-Szene erschließt – Exciting Commerce im 12. Jahr
  6. Zalando hat sich Tradebyte & Co. 28,2 Mio. Euro kosten lassen – Exciting Commerce im 12. Jahr

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: