Auch Butlers rutscht trotz Strategiewechsels in die Insolvenz

Auch Butlers, eines der liebsten Beispiele der Omnichannel-Verfechter, hat die Insolvenz angemeldet. Das ist umso bedauerlicher, als Butlers zuletzt schon eine strategische Neuausrichtung eingeleitet hat („Vom Filialisten zur Marke: Butlers auf der K5 Home & Living“). In der Pressemitteilung (PDF) heißt es:

butlers2016

„Wir wollen die Chance nutzen, mit den Instrumenten der Insolvenzordnung das Handelsgeschäft so reibungslos wie möglich fortzuführen und uns markt- und wettbewerbsfähig neu zu positionieren“, erklärt der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Jörg Bornheimer.“

Zuletzt hatte bereits Strauss Innovation – nach der dritten Insolvenz – endgültig aufgeben müssen.

Auf der Liste der bedrohten Händler („Todesliste revisited: Wo seht der Handel zwei Jahre danach?“) hatte Butlers Rang 15. Auch Charles Vögele (Rang 14) und Wöhrl (Rang 18) hatten zuletzt bereits Insolvenz angemeldet.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Shopboerse

18 replies

  1. Ganz schön heftig … Buttlers hat ja einige vielbeachtete Features ausprobiert (z.B. Beratung per Video-Chat), offensichtlich ohne nachhaltigen Effekt.

    Es erwischt auch immer wieder weniger prominente Händler, mit fast wortgleichen Begründungen:

    http://www.swp.de/ulm/lokales/ulm_neu_ulm/modehaus-honer-macht-mitte-2017-dicht-14244371.html

    http://www.ksta.de/koeln/innenstadt/koelner-hohe-strasse-modehaus-jacobi-schliesst-nach-120-jahren–25562846

    Und in der Konsequenz:

    https://www.modehaus-jacobi.de/

    Interessant in diesem Zusammenhang auch folgende Meldung, nach der sich das Ladensterben insgesamt etwas langsamer als prognostiziert entwickelt:

    http://www.internetworld.de/e-commerce/online-handel/weniger-ladensterben-online-handel-befuerchtet-1190052.html

    • letzteres ist eine der üblichen IFH-Studien, deren Leitmotiv ja quasi ist „Trost und Zuspruch für den Handel von gestern“. Das zugehörige PDF gibts für 850 Euro im IFH-Fanshop

      Spannend zur Einschätzung der Branchenentwicklung wären ja mal unabhängige Studien.

      • „Vielbeachtet“ bezieht sich aber nicht auf echte Kunden sondern auf die Beratungen und Technologieanbieter, die das Beispiel so schön in Hochglanz in der Broschüre hatten, oder?

      • @Stefan Ja, genau. Es wurde hier auch schon darauf hingewiesen, das viele (Multichannel-)Features den Komplexitäts-Grad enorm erhöhen. Das in der Fachwelt gefeierte Video-Beratungsformat hat wahrscheinlich hohen Aufwand und Kosten generiert, die sich letztlich nicht rentiert haben. Das ist zwar nur eine Vermutung, aber nicht ganz abwegig. Letztlich braucht es noch mal eine ganzheitliche Analyse der Ursachen der Insolvenz.

  2. Ich weiss noch wie die sich haben „feiern“ lassen..die ganzen Inovationen…und dem ganzen Aufwand um angebliche Stammkunden zu generieren usw….

    Es gibt nicht viele gute Leute die im E-Commerce erfolgreich arbeiten. Gefeiert werden immer nur solche Modelle die unendlich Geld verbrennen oder angeblich total neue Inovationen oder neue Strategien entwickelt haben.

  3. Butlers hat schon vor Jahren die digitale Transformation eingeführt, die nahezu alle bei der restlichen Handelswelt so schmerzlich vermissen. Es ist deswegen doppelt schlimm, dass gerade dieses Unternehmen sich verhoben hat.

    Spannend wäre aber zu wissen, woran es wirklich gelegen hat. Zu schnelle Expansion? Keine schlüssige Marken- und Sortimentsstrategie? Und ja, auch muss man hinterfragen, ob die Investition in die eigen E-Commerce Plattform strategisch richtig war!

  4. „Interessante Einblicke gewährt dafür aber der Konzernabschluss der Butlers GmbH & Co. KG für das vorletzte Geschäftsjahr 2015. Demnach hatte sich der Konzernumsatz damals verringert um 7,9 Mio. Euro von zuvor 110,2 Mio. Euro (2014) auf 102,3 Mio. Euro (2015), wodurch die Umsatzziele nicht erreicht wurden. Ein Grund waren nachlassende Frequenzen in den Innenstädten.“

    http://neuhandeln.de/nach-strauss-innovation-auch-butlers-stellt-insolvenzantrag/

    • Würde gegen zu hohe Kosten aufgrund von Multichannel sprechen. In erster Linie gab es mal weniger Umsatz.
      Da muss man vielleicht auch fair bleiben, eine online-only Strategie hätte sie vermutlich auch nicht gerettet.

      • mE nicht. Es ist ja gerade ungeschickt, unnötig Geld in Multichannel-Lösungen zu versenken, wenn die Frequenzen in den Innenstädten jetzt ja bereits seit Jahren zurückgehen.

        Das Geld kann man sich sparen bzw. in eine vernünftige Online-Strategie investieren, wo zumindest kein Frequenzproblem herrscht.

        Das aber nur als hypothetische Anmerkung. In jedem Fall aber hatte Butlers ja ein Kostenproblem, wenn die erwarteten Umsätze ausblieben.

        Abgesehen davon war aber die strategische Neuausrichtung in Richtung (Händler-)Marke aus meiner Sicht ein richtiger Schritt, kam aber offenbar zu spät.

        Das Problem aller Filialisten sind eben die hohen Mietkosten …

      • Woher nimmst du den diese Hypothese? Mangelnde Frequenz spricht ja gerade dafür, dass der ganze Multichannel Nonsense nichts gebracht hat. Und gratis wird das nicht gewesen sein, weshalb zusätzliche Kosten für den Multichannel Ansatz gerade zum Problem geworden sein könnten, Stichwort Fixkostenprogression.

      • Aber genau das sag ich ja. „Hypothetisch“ meint in dem Fall nur, dass aktuell die genauen Gründe für die Insolvenz niemand kennen kann.

      • Mein Kommentar bezog sich auf Claus. So richtig habe ich die Zitierfunktion hier noch nicht verstanden.

  5. Laut dem Konzernabschluss von 2015 hatte Butlers auch online zu kämpfen:

    „Insgesamt lag das Ergebnis deutlich unter den Erwartungen.

    Die Ursachen lagen zum einen in einem deutlich schlechteren Dollar-Wechselkursverhältnis, einer deutlich gestiegenen Wettbewerbssituation, sowohl im Filialgeschäft wie auch im Online-Handel, sowie einer notwendig gewordenen Sortimentsbereinigung.“

  6. Sicher vielschichtig… interessant auch die innovative Wachstumsfinanzierung in 2013, die nunmehr mit umstrukturiert werden muss.

    http://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft/anlage-genussrechte-mit-vorsicht-zu-geniessen-3166988

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