Amazon, DHL und die Wildwüchse in der Versandlogistik

Die „Logistik am Limit“ war das beherrschende Thema diese Woche, nachdem Hermes den Handel als erstes alarmiert hat („Hermes zieht die Logistikbremse und führt Obergrenzen ein“). Es ist nicht allein das Volumen, das die Versandlogistik an ihre Grenzen treibt. Denn prägnanter könnte man die Ineffizienzen und Wildwüchse bei Amazon, DHL & Co. nicht auf den Punkt bringen als dieser Kommentar:

„Mir würde es ja schon reichen, wenn Bestellungen in EINER Sendung an mich versandt werden und nicht jede ‚Büroklammer‘ einzeln in einem eigenen ‚Umzugskarton‘.

Vorteile:
1 Bestellung = 1 Paket (statt 5, 10 und mehr)
weniger Altpapier … SEHR VIEL WENIGER
günstigere Versandkosten

Klar gibt es hier Grenzen:
z.B. wenn sich die Amazonbestellung auf verschiedene Verkäufer aufteilt.

… aber 12 Amazonartikel und 2 Drittanbieter-Artikel in 1er Amazonbestellung … Option ‚in möglichst wenig Einzellieferungen liefern‘ ausdrücklich ausgewählt … nur vorbelegter Standardversand. Ich erhalte

Tag A: 5 Einzellieferungen von 3 DHL- und einem Hermes-Boten;
Tag B: 3 Lieferungen von einem DHL-Boten sowie 2 Briefsendungen,
Tag C: 2 Sendungen von 2 DHL-Boten.

Ja hallo! Geht’s noch? Und nicht selten die sprichwörtliche ‚Rasierklinge im Schrankkarton‘ …“

Man merkt jetzt, dass das, was für gelegentliche Online-Käufer noch einigermaßen erträglich ist, für die wachsende Zahl an Viel- und Intensivbestellern („ACTA 2016: Vielbesteller mit 50+ Käufen im Jahr wachsen um 33%“) zum Problem wird.

Branchenbeobachter dürfte die Entwicklung nicht überraschen. Seit Jahren entwickelt sich die Versandlogistik zusehends zur Wachstumsbremse für den Online-Handel („Exchanges #55: Wenn der Logistikmarkt explodiert“). So mancher Händler wird belohnt, wenn er weniger Pakete verschickt.

In ihren Strukturen hinkt die Paketlogistik der Branchenentwicklung um Jahre hinterher und agiert nun zunehmend aktionistisch, um zumindest die kurzfristigen Probleme zu lösen.

So setzt Hermes erst in jüngster Zeit überhaupt auf dezentrale Strukturen („Tempo, Tempo: Hermes setzt radikal auf Regional-Logistik“) und versucht, die letzte Meile mit Liefery in den Griff zu bekommen („Liefery geht mehrheitlich an Hermes und die Otto-Gruppe“).

Was passiert, wenn sich das Bestellvolumen verdoppelt, verdreifacht, vervierfacht?

Doch sind die Paketdienste derzeit weder gerüstet für die wachsende Flut an Paketen („Wie sehr hat DHL die E-Commerce-Entwicklung unterschätzt?“) noch für eine effiziente Zustellung.

Dafür bräuchte es ein grundsätzliches Umdenken („Netzwerte 09: Netzartige Logistik für den Versand realer Güter“) und ein Denken in alternativen Modellen („Exchanges #180: Picnic und die City-Logistik“), z.B. in Kreislaufsystemen, die bei hohen Bestellvolumina effizienter (und robuster) sind als die herkömmliche (n:m-)Logistik. Doch in dieser Hinsicht sind noch kaum Ambitionen zu erkennen.

Angesichts der jüngsten Entwicklungen ist es also durchaus bezeichnend, wenn in den aktuellen Amazon-Spots vor allem die Pakete lächeln und nicht die Kunden.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Uncategorized

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  1. Paketkollaps: Adé letzte Meile? » Blog für den Onlinehandel

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