Quo vadis Shopware? Backend-Services vs. Frontend-Services

Shopware sorgt dieser Tage gleich mehrfach für Irritationen – mit einer neuen Strategie und einem Vorstand weniger. Außerdem hat Shopware jetzt erstmals einen ausführlichen Jahresabschluss veröffentlicht.

Es lohnt sich also, mal wieder einen Blick auf Shopware zu werfen, das hierzulande zu den populärsten Shopsystemen zählt und entsprechend weiter stark wächst.

Shopware eilt von Rekord zu Rekord

Für Shopware laufen die Geschäfte weiter prächtig. So konnte Shopware das Rohergebnis 2018 von 12,9 Mio. Euro auf 16,4 Mio. Euro steigern, der Jahresüberschuss stieg von 1,9 Mio. Euro auf 2,2 Mio. Euro. Siehe auch Shopware will sich bis 2020 auf 30 Mio. € verdoppeln

Vom nächsten Magento zum nächsten Commercetools

Der Erfolg ist umso bemerkenswerter, als Shopware inzwischen beinahe im Jahrestakt eine neue Strategie präsentiert und dabei gefühlt so ziemlich jedem neuen Trend hinterher hechelt.

Wollte man einst das nächste Magento sein, so hat man sich dieses Jahr als das nächste Commercetools präsentiert. Wird Shopware 7 also das nächste Spryker?

Shopware hatte bisher im Markt die durchaus dankbare Position als die Allzweckwaffe, die man nimmt, wenn man nicht so recht weiß, was man will.

Und die Frage wird sein, wie lange Shopware diese Position behalten kann.

Backend-Services vs. Frontend-Services

Interessanterweise ziehen sich gerade alle Shoptech-Anbieter zurück auf Backend-Services, die sie dann bezeichnenderweise als „headless“ anpreisen.

Worauf der Handel aber natürlich vor allem wartet, sind Frontend-Services, die auf mobilen Devices eine bessere Performance (sprich: Conversion) erzielen als auf dem Desktop.

Doch der Shoptech-Provider, der damit werben kann, dass seine Mobile-Conversion höher ist als die Desktop-Conversion, muss erst noch gefunden werden.

Wer gewinnt Mobile?

Insofern kann man vieles, was im Shoptech-Bereich gerade passiert, als Ablenkungsmanöver deuten. Gesucht ist einzig und allein eine Mobile-Plattform, die alles andere schlägt.

Einer der Gründe, warum ich mich bei Frontastic engagiere. In den USA ließ gerade Button mit einer 30 Mio. Dollar Runde aufhorchen.

Siehe dazu auch Wer beherrscht den Mobile Shopping Markt von morgen? und die Exchanges #222: Knacken Instagram und Pinterest den Onlinehandel?

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Mobile, Shoptech

  1. „jedem neuen Trend hinterher hechelt“ ist schon eine gewagte Aussage, wo sonst Shopware im Vergleich zu anderen bekannten Shop-Systemen immer in den höchsten Tönen für seine innovativen Ansätze gelobt wird.

    „Shopware hatte bisher im Markt die durchaus dankbare Position als die Allzweckwaffe, die man nimmt, wenn man nicht so recht weiß, was man will.“
    Und ich das dachte bisher, das wäre Sprykers Zielgruppe/Positionierung ;-)

    Frontastic schön und gut, aber allein betrachtet wäre es genauso wertlos wie ein headless System. Man kann nicht auf der einen Seite behaupten, Backend-Services zu bauen, wäre nicht die Lösung weil kein performantes Frontend zur Verfügung steht und im gleichem Atemzug Frontastic für seinen Frontend-Only Ansatz loben. Die Entwicklungen passen doch eigentlich genau zusammen.

    • natürlich passt das perfekt zusammen, und natürlich ermöglicht die zunehmende Trennung von Front- und Backendtechnologien erst die nächsten Innovationswellen (im Frontendbereich). Nichts gegen Microservices und API-basierte Ansätze.

      Es ist aber doch auch bezeichnend, wenn sich viele Shoptechanbieter auf Backend-Services zurückziehen und Frontendthemen lieber anderen überlassen bzw. heute ja zumeist noch die Händler, die mehr sein wollen als Shopbetreiber, damit allein lassen.

      In jedem Fall bietet das Raum für reichlich Newcomer im Shoptechbereich.

  2. Ich sehe darin vielmehr den Vorteil für die Kunden, aus einem breiterem Spektrum wählen zu können, je nach Business und Kapital. Es wird weiterhin die 08/15-Betreiber geben, die mit einem „Komplettset“ (früher „Shopsystem“) arbeiten können/wollen und damit zumindest in kleineren Dimensionen zufrieden sind.
    Und für die zukünftige Mehrheit, die eben kein starres Komplett-Set braucht (sei es eng verbundenes Front- und Backend oder ein starrer Bestell-Checkout-Abschluss), können zukünftig neben der Baukästen-Variante wie Spryker oder Sylius dann aus Teil-Systemen (Frontend X + Backend Y bzw. natürlich jeder weitere denkbare Service) die passenden rauspicken und zusammensetzen, ohne dass 100+ IT-Team erforderlich ist, um überhaupt etwas vorzeigbares Implementieren zu können.
    Das Konzept funktioniert ja auch in anderen Branchen bzw. anderen IT-Disziplinen wunderbar, warum nicht auch im E-Commerce?

    Vielleicht hab ich dich da auch falsch verstanden, aber soweit ich informiert bin, hat Shopware nicht vor, das Frontend-Thema abzugeben. In erster Linie soll mit der neuen Software-Basis der Monolith aufgebrochen werden, um die Möglichkeit zu schaffen, ein System wie Frontastic einfacher anzuschließen. Trotzdem wird Shopware weiterhin sein eigenes Theme mit ausliefern und das wohl auch nach best practice in allen erforderlichen Bereichen.

    Raum für Newcomer sehe ich auch in Form von Microservices, während die Full-Service-Systeme bestimmt nicht aussterben werden, aber immer weniger Zulauf bekommen werden.

  3. > Gesucht ist einzig und allein eine Mobile-Plattform, die alles andere schlägt.

    Einspruch, Jochen. Denn das wäre ja wieder ein Monolith. :-)

    „Headless“ ist natürlich genauso ein Hype wie „Microservices“, wenn sie handwerklich nicht gut umgesetzt werden.

    Ich stimme dir zu, dass die Experience zum Kunden hin besser werden muss.

    Da der Kunde ja auf unterschiedlichsten Ebenen, Medien und Formaten (Mobile, Voice, Chatbots, Instagram-Shopping, Blended On-/Offline-Filialgeschäft, …) unterwegs ist, brauche ich technologisch gesehen entkoppelte Systeme und entsprechende Komponenten-Orientierung.

    Für das Shopping-Backend sorgen „headless“ Systeme (idealerweise IMHO self-hosted und nicht bei einem SaaS-Anbieter, bei dem ich keine gute Customizing-Tiefe als Möglichkeit habe). Im „Frontend“ benötige ich dann entsprechend auch Komponentenservices oder Service-Meshs, auf denen ich die einzelnen Teile in gemischten Varianten (SaaS, self-hosted, und alles mit unterschiedlichen Technologien, die auf den jeweiligen Einsatzzweck optimiert sind) nutze.

    Das wohnt also genau gegenüber von „Prozess-Standardisierung“. Die ist hinderlich, weil mein Kunde sich in einer komplexen Welt befindet – und da kann ich nicht so gut mit Standardisierung arbeiten (wenn alle Standard sind, wo sind dann die Differenzierungsmerkmale?), sondern muss mit viel Varianz und Flexibilität arbeiten können.

    Wir gehen mit Händlern meist erst einmal in einen Technologie-Beratungs-Workshop, um auf Basis der Business Cases & Needs passende Technologie-Treiber zu identifizieren und Vorschläge zu machen. Da kann dann auch mal durchaus eine early majority Technologie zum Einsatz kommen, die dann den letztlichen Wettbewerbsvorteil für den Händler ausmacht. :-)

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