Samwer Report: Zalando zuletzt mit 370 Mio. Euro bewertet

Zalando wurde bei der letzten Finanzierungsrunde im August offenbar mit 370 Mio. Euro bewertet.

Laut Gründerszene war die schwedische Beteiligungsgesellschaft Investment AB Kinnevik damals mit 2,7% bei Zalando eingestiegen.

Wie dem letzten Quartalsbericht zu entnehmen ist, hat Kinnevik im dritten Quartal 10 Mio. Euro direkt in – wie es dort so rätselhaft heißt – "eines der Rocket Intenet Portfolio Unternehmen" gesteckt (PDF):

"Another EUR 10 m has been invested into one of the European online company Rocket Internet’s portfolio companies."

Liegt der Schluss nahe, dass es sich dabei um Zalando handelt, zumal Zalando als einziges Unternehmen nun auch neu in der Portfolio-Übersicht auftaucht (PDF):

Kinneviknewventures310

10 Mio. Euro für 2,7% – das würde einer Zalando-Bewertung von 370 Mio. Euro gleichkommen.

Kinnevik hat sein Samwer Engagement, das ursprünglich 35 Mio. Euro betrug, damit alleine im letzten Quartal von 40 Mio. Euro auf 50 Mio. Euro ausgebaut (PDF):

"Kinnevik has invested a total of approximately EUR 50 m in shares and options in Rocket Internet, with portfolio companies, of which EUR 10 m during the third quarter of the year.

Expansion in consumer-related Internet services is capital-intensive and competition in the market is tough, but at the same time, the growth potential is significant."

In den Kinnevik-Unterlagen wird Zalando nun nicht mehr wie bisher als "e-commerce company", sondern als "e-marketplace" bezeichnet. Interessant auch deshalb, weil sich Zalando selber zur strategischen Ausrichtung nicht äußern will.

Kinnevik hält seit Februar 2010 eine 12%ige Beteiligung an Rocket Internet – mit der Option, auf 25% aufzustocken. Aktuell zieht man es bei Kinnevik aber offenbar vor, direkt in die Portfolio-Unternehmen einzusteigen.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Samwer Report, Shopboerse

23 replies

  1. Anfangs hätte ich Zalando solch einen Erfolg nicht zugetraut, mittlerweile ist Zalando aber so allgegenwärtig, dass ich die Bewertung für gerechtfertigt halte.
    Zusätzlich bin ich sehr gespannt auf das was aus dem Zalando e-marketplace wird.

  2. 370 Mio. Hut ab! Damit duerften die entweder naechstes Jahr an die Boerse gehen oder der Laden wird fuer 1 Mrd. an Amazon verkauft. Passiert beides nicht, wird Kinnevik u.a. ne Menge Geld verlieren. Denn dass Zalando (mal ein relativ krankes Amazon KGV von 70!! unterstellt) 5,3 Mio. € Gewinn erwirtschaftet, glaube ich nicht. Aber ich lasse mich gern ueberraschen. :-)

  3. @Kai: Wenn Du nur das Umsatzwachstum und die Publicity mit den 370 Mio. bewertest, gebe ich Dir 100% recht. Leider kann man damit kein Unternehmen ewig betreiben. Im Moment ist das ein nettes Schneeballsystem, es wird immer mehr VC eingeworben und dieses Geld i.W. in Marketing gesteckt. Solange sich immer jemand findet, der noch mehr Geld reinsteckt, ist alles gut. Den letzten beissen allerdings die Hunde.

  4. Passt nicht unbedingt zum Thema, aber dennoch kurz nachgefragt:
    Kennt jemand den Stand der Dinge in der Calando vs. Zalando Sache?
    (Hintergrund: Vor Wochen gab es eine Meldung, dass es zwischen den Parteien „markenrechtliches“ Säbelgerassel gäbe http://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_wirtschaft/article10147841/Zalando-hat-Stress-mit-Calando.html )
    -> Markenrechtliche Unklarheiten sind nie gut für zukünftige Bewertungen/Runden und „erfreuen“ mit Sicherheit keinen der Investierten.

  5. naja, das Thema ist aber dann doch allzu durchsichtig und eher etwas für die leicht zu Unterhaltenden …

  6. @Jochen Was meinst Du damit, dass das Thema allzu durchsichtig sei? oder anders gefragt: Hast Du nähere Info zur rechtlichen Bewertung?

  7. Damit wäre Zalando mehr als die Hälfte Wert als Zappos (für 800 Mio USD an Amazon). Ist das wirklich eine plausible Bewertung?
    Man bedenke:
    – Zappos war immerhin leicht profitabel,
    – bewegt sich in einem größeren Markt
    – und hat über Jahre hinweg eine ziemlich einzigartige Unternehmenskultur aufgebaut.

  8. Sehe das auch so wie Max.
    Sobald da ein Unternehmen dran ist das auch auf Profitabilität achtet ist es vorbei mit der Übermacht von Zalando.
    Zwischen Zappos und Zalando sind Welten was Unternehmenskultur angeht. Zappos‘ Erfolg basierte nicht nur darauf, dass sie das größte Angebot hatten sondern auf der großen Masse an begeisterter(!) Kunden.

  9. Zumal mit dem Kauf von Zappos durch Amazon die wahrscheinlichste Exit-Strategie für Zalando erstmal Adieu gesagt hat.

  10. Was Zalando bemerkenswert macht, ist die (Umsatz-) Wachstumsgeschwindigkeit und das Marketing. Wer da jetzt noch mit viel Geld einsteigt, spekuliert auf einen erfolgreichen Boersengang bzw. darauf, dass sich irgendwo noch mehr „dummes Geld“ findet, also klassisches Schneeballspiel. Die Samwers reiben sich die Haende. Auch dieses Mal wieder hat sich die Sache fuer die fett gelohnt, allein das ist schon exciting genug :-)

  11. @Hanns Tappen: Das ist ja interessant!
    In 2001 musste H.O.T (jetzt HSE24) auch seinen Namen ändern…und verlor die Marktführerschaft an QVC…Ich denke das wäre ein ernsthaftes Problem für Zalando, wenn sie ihren Namen ändern müssten…

  12. Weiß einer, was Zalando ungefähr an Umsatz p.a. macht?
    Schaffen die einen Bruttoumsatz von 50 Mio. EUR in 2010?
    Das wären ca. 1.400 orders pro Tag bei einem average order value von 100 EUR.
    Oder ist es signifikant mehr oder weniger?
    Profitabel soll Zalando bisher auf jeden Fall noch lange nicht sein.

  13. Beim besten Willen: Ich verstehe nicht, was das mit Schneeballsystem zu tun hat. So lange das Geld in ne Kapitalerhöhung gesteckt wird, haben die Erstinvestoren noch keinen Pfennig verdient. Das können sie erst, wenn das Unternehmen verkauft wird. Und dann profitieren auch die, die später eingestiegen sind (wennauch proportional weniger, da sie ja auch geringeres Risiko tragen)

  14. Na gut, Schneeballsystem trifft es vielleicht nicht exakt, aber es ist sicherlich auch hier so, dass nicht nur immer neue Aktien ausgegeben werden (Kapitalerhoehung), sondern dass sich die Erstinvestoren von Anteilen trennen und das natuerlich bei einer entsprechend hoeheren Bewertung der Anteile.
    Aber das ist auch egal, diejenigen, die jetzt noch einsteigen oder wie Kinnevik im August eingestiegen sind, haben fuer ihr Investment soviel bezahlt, dass Zalando damit 370 Mio. „wert ist“. Und das kann eigentlich nur durch Exit (Verkauf der Anteile) oder durch Dividende (aus dem Betriebsgewinn) wieder reingeholt werden. Dividende schliesse ich bei der Bewertung mal fuer die naechsten 30 Jahre aus, bleibt nur noch der Exit und da muss die Story natuerlich lupenrein sein oder die Investoren werden immer duemmer bzw. leichtsinniger, die Frage ist, ob das schon wieder funktioniert oder ob die Leute den Neuen Markt noch nicht vergessen haben.

  15. 50 Millionen Euro halte ich für zu wenig bei den Visits müssten im Verhältniss zu anderen 500 sein.

  16. Der derzeitige Nettoumsatz p.a. soll wohl unter 100 Mio. EUR betragen, hier sind auch noch ein paar andere ganz interessante Zahlen (siehe auch Kommentare):
    http://www.mailorderportal.de/blog/artikel/article/wie-zalando-den-markt-kauft.html

  17. Was mir bei den Berechnungen dort fehlt, ist der Wareneinkauf. Der geht da, soweit ich sehe, gar nicht ein. 2% Conversion-Rate koennte wirklich zu hoch sein. Die Frage ist, zu welchen Konditionen die die einkaufen. Fakt ist, je groesser das Sortiment umso groesser auch die Kapitalbindung. Wie auch immer, ich glaube nicht, dass Zalando profitabel ist oder je wird.

  18. Hallo Claus,
    danke für Deine Stellungnahme.
    Welchen Einsatz hat denn der Wareneinsatz auf den Nettoumsatz?
    Oder meintest Du den nur bzgl. der Profitabilität?
    Viele Grüße
    Jochen

  19. Hut ab was die Samwers in den letzten Jahren alles aufgebaut haben. Das ist nicht einfach nur Glueck, sondern sehr viel Koennen. Respekt und weiter so!

  20. @Jochen, ja, ich meinte in Bezug auf Profitabilitaet. @Matt:
    Keiner will die Leistung der Samwers schlecht machen, natuerlich ist es eine grosse Leistung, soviele Initiativen an den Start zu bringen und den Markt damit gehoerig aufzumischen. Und fuer sie selber wird sich die Sache auch 100%ig finanziell lohnen. Das aendert nichts daran, dass man das Geschaeftsmodell von Zalando und den meisten anderen Initiativen kritisch hinterfragen sollte. Das besteht naemlich in erster Linie in grossem Einsatz von (Venture-) Kapital und dem daraus erzeugten explosionsartigen Wachstum in der Hoffnung, a)schnell eine kritische Masse zu erreichen und b) natuerlich den hochprofitablen, schnellen Exit zu suchen. Daran ist uebrigens nichts verwerfliches. Nur Innovationsfuehrer sind sie nicht, denn fast alles, was sie machen, ist die deutsche Adaption von erfolgreichen US-Initiativen.

  21. @Hanns: Da die Calando AG nun mittlerweile unter dem Namen „Quality Style AG“ fungiert scheint es für die ganze Sache eine Lösung gegeben zu haben ;-)

  22. Ich frage mich, wo die Kunst ist einen Online-Shop aufzubauen, indem man das ganze eingesammelte Kapital für Werbekampagnen (Fernsehen und Internet), sowie für 50%-Rabatt-Gutscheine bei Groupon (=Quasi verschenken der Waren“) einsetzt.

  23. Yup, letztendlich ist es ein gewöhnlicher Online Shop mit einer pfiffigen Werbung. Schwer ist das nicht – mit dem entsprechendem Kapital. Bleibt nur zu hoffen, das das Unternehmen irgendwann profitabel wird.

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