Groupon IPO: Erkenntnisse aus den Geschäftsunterlagen

Inzwischen waren ein paar Tage Zeit, um sich die Geschäftsunterlagen, die Groupon im Rahmen seines angekündigten Börsengangs veröffentlicht hat, zu Gemüte zu führen und sich ein Bild zu machen von den Kennzahlen, dem Geschäftsmodell und der Geschäftsstrategie von Groupon.

Was erlauben Groupon?!

Groupon sieht sich derzeit einer Welle der Empörung ausgesetzt: Wie kann sich ein Unternehmen mit einer derartig roten Bilanz erdreisten, überhaupt nur an einen Börsengang zu denken?! Man übersieht dabei gerne:

  • Auch die Verantwortlichen bei Google kannten diese Zahlen, als sie dieses nach Auffassung vieler "künstlich aufgeblasene" und "marode" Unternehmen zum Jahreswechsel für 6 Mrd. Dollar übernehmen wollten, ein Deal, der bereits beschlossene Sache war und letztlich nur aus kartellrechtlichen Gründen nicht zustandekam
  • Eine Investorengruppe hat kurz danach knapp eine Milliarde Dollar in das Unternehmen gesteckt, die zum größten Teil dazu verwendet wurden, die Anteilseigner, die ob des rapiden Wachstumskurses kalte Füße bekamen, herauszukaufen bzw. zu beruhigen.

Groupon kommuniziert in den Börsenunterlagen klar die Risiken. Es verdeutlicht, dass es sich nach einem soliden ersten Quartal 2010, in dem es die Profitabilitätsschwelle erreicht hatte und damit in den ersten 15 Monaten eine Art von Proof of Concept erbracht hatte, im zweiten Quartal 2010 für einen aggressiven Wachstumskurs entschieden hat.

Die damit verbundenen Marketing- und Vertriebsaufwendungen sowie die durchaus kostspielige Citydeal-Übernahme führten zu tiefroten Zahlen in der Bilanz, die ebenso erklär- wie nachvollziehbar sind.

Wieviel Substanz hat das Geschäftsmodell von Groupon?

Sieht man von dieser strategischen Entscheidung einmal ab, die risikobehaftet ist und vielen nicht behagt, so kann man sich trotzdem ein Bild vom zugrundeliegenden Geschäftsmodell machen.

Denn der Erfolg des Groupon-Modells wird sich im Wesentlichen in den kleinsten Einheiten, vor Ort, entscheiden, also in den lokalen Märkten von Chicago bis London, von Boston bis Berlin. Wenn Groupon dort nachhaltige Erfolge erzielt, dann lassen sich diese Erfahrungswerte auf die anderen Märkte übertragen, so das Kalkül.

Entsprechend stellt Groupon die Zahlen für ausgewählte lokale Märkte als "Case Studies" für Chicago, Boston, London und Berlin zur Verfügung. Allerdings sind auch diese Zahlen durch wachstumsbedingte Sondereffekte verwässert. Letztlich lässt sich daraus nur grob ableiten, dass sich der zu erwartende Jahresumsatz pro Nutzer in den USA wohl bei 100 Dollar pro Kunde bzw. bei 30 bis 35 Dollar pro Abonnent eingependelt hat.

Manche versuchen nun, aus den veröffentlichten Zahlen direkte Aussagen über die aktuelle Geschäftsentwicklung abzuleiten, was aber zum einen unseriös ist, weil nicht alle notwendigen Informationen vorliegen, und zum anderen schon allein deshalb scheitern muss, weil Groupon zuletzt gerade in diesen (reiferen) Märkten eine Reihe von neuen Initiativen gestartet hat, die die Zahlen verwässern.

Deshalb wird in den Kommentaren solcher Beiträge zurecht angemerkt, dass aussagekräftige Einschätzungen so nicht möglich sind. Liefern würde sie nur eine Kohortenanalyse, die die Entwicklung bestimmter Kundenkohorten über einen längeren Zeitraum verfolgt.

Wie entwickeln sich die neuen Abonnenten im Zeitverlauf?

Groupon geht im Abschnitt "Subscriber Economics" darauf ein und liefert eine Kohortenanalyse beispielhaft für die US-amerikanischen Abonnenten des 2. Quartals 2010. Groupon stellt die Marketingaufwendungen für diese Kohorte den von diesen Abonnenten in den folgenden 12 Monaten erzielten Umsatzerlösen gegenüber:

"To demonstrate the economics of our business model, we have compared the revenue and gross profit generated from the North American subscribers we acquired in the second quarter of 2010, which we refer to as our Q2 2010 cohort, to the online marketing expenses incurred to acquire such subscribers.

The Q2 2010 cohort is illustrative of trends we have seen among our North American subscriber base. The Q2 2010 cohort included 3.7 million subscribers that we initially spent $18.0 million in online marketing to acquire in the second quarter of 2010.

In that quarter, we generated $29.8 million in revenue and $12.8 million in gross profit from the sale of approximately 1.2 million Groupons to these subscribers.

Through March 31, 2011, we generated an aggregate of $145.3 million in revenue and $61.7 million in gross profit from the sale of approximately 6.3 million Groupons to the Q2 2010 cohort.

In summary, we spent $18.0 million in online marketing expense to acquire subscribers in the Q2 2010 cohort and generated $61.7 million in gross profit from this group of subscribers over four quarters."

Groupon zahlte also in Q2/2010 für jeden (US-)Neuabonnenten im Schnitt knapp $5 und erzielte damit Umsatzerlöse von knapp $40 Dollar in den darauf folgenden 12 Monaten.

Groupon kann sein operatives Geschäft aus dem Cashflow finanzieren

Der positive Cashflow ist das, was Investoren am Groupon-Modell von Beginn an am meisten fasziniert hat. Groupon stellt in den Unterlagen dar, wie es seit 2009 cashflow-positiv ist und wie es mit einem positiven Cashflow von 87 Mio. Dollar (bei Umsätzen von 713 Mio. Dollar, 2010), sein operatives Geschäft bei einem moderaten Wachstum aus den laufenden Einnahmen finanzieren kann/könnte:

  • Groupon kassiert für die Gutscheine vorab.
  • Die Händler bekommen das Geld von Groupon nach 60 Tagen bzw. dann, wenn die Kunden die Gutscheine einlösen.
  • Bis zu 25% der Gutscheine verfallen uneingelöst [Dieser Aspekt wird in den Unterlagen nicht erwähnt]

Groupon trägt sich also operativ mehr als selbst. Alles, was Groupon zuletzt an VC-Geld aufgenommen hat, wurde in die Neukundengewinnung und in Übernahmen gesteckt.

Ob man sich aus strategischen Gründen Wachstum kaufen kann/soll, kann man natürlich diskutieren, das Geschäftsmodell bleibt davon aber im Kern unberührt.

Fazit: Noch kann sich der Marktführer gut behaupten

Man muss Groupon nicht lieben, um dem Geschäftsmodell Respekt zu zollen. Wenn man vom extremen Wachstumskurs einmal absieht, dann erfüllt Groupon genau die Ansprüche eines soliden Geschäftsmodells. Groupon muss es schaffen, auf Dauer attraktive Deals zu sichern und Händler und Kunden damit dauerhaft an sich zu binden.

Ob dies gelingen kann, lässt sich derzeit noch schwer sagen. Dafür ist Groupon noch nicht lange genug am Markt. Aber die Kennzahlen in den lokalen Märkte weisen derzeit nicht darauf hin, dass Groupon dies nicht in den Griff bekommen könnte.

Wichtiger als die Entwicklungen der Abonnentenzahlen wird auf Dauer die Entwicklung der Kunden sein. Hier punkten vor allem London und Berlin, die zwar in der Abonnentenausschöpfung sehr schwach sind, aber im ersten Jahr in der Kundenausschöpfung noch weit über den US-Metropolen Chicago und Boston liegen.

Nicht berücksichtigt sind in diesen Einschätzungen die zusätzlichen Potenziale, die sich Groupon durch neuere Initiativen wie Groupon Deals, Groupon Now!, etc. eröffnet. Wobei man diese Entwicklungen durchaus kritisch betrachten muss/kann, da sie auch den gegenteiligen Effekt haben können und den Kaufdruck auf die regulären Groupon-Aktionen deutlich reduzieren könnten.

Über 400 Groupon City-Planner optimieren das Geschäft

Was mich persönlich fasziniert hat, ist zu sehen, dass Groupon schon heute über 400 City-Planner beschäftigt, die das Geschäft vor Ort optimieren und denen bisher im Gegensatz zum Vertrieb und zur Redaktion wenig Aufmerksamkeit zuteil wurde.

Da ich in meiner Zeit beim Shoppingsender HSE24 wertvolle Erfahrungen beim Aufbau der Planungs- und Analysebereiche sowie der entsprechenden Kennzahlensysteme sammeln konnte und diese Kernbereiche später auch leiten durfte, finde ich es spannend zu sehen, wie Groupon in der Feinoptimierung auf ähnliche Strukturen/Modelle setzt, wie sie sich in der Programm- und Produktoptimierung im Teleshopping oder in der Optimierung der Verkaufskampagnen bei den Shoppingclubs bewährt haben:

"Our city planners identify merchant leads and manage deal scheduling to maximize deal quality and variety within our markets.

In identifying leads, city planners rank local merchants based on reviews, local feedback and other data.

In certain cases, city planners submit requests to merchant services representatives for certain deals based on a scoring system that considers past performance of similar deals, quality of merchant reviews, number of redemption locations and the zip code of the merchant.

In scheduling deals, city planners review deals in our merchant pool and determine which deals to offer based on the viability of the deal as well as gross profit and marketing goals.

City planners also work with our salesforce to establish sales quotas based on subcategory-level performance in a particular city, such as addressable market size and scheduling diversity.

As of March 31, 2011, we employed 410 city planners."

Gerade solche für die operative Steuerung des Geschäfts so wichtige Aspekte zeigen, dass Groupon inzwischen auch hier einen hohen Professionalisierungsgrad erreicht hat.

Die Bedeutung von CityDeal für das Wachstum von Groupon

Nach der Lektüre der Unterlagen wird deutlich, dass es sich bei CityDeal weniger um einen Exit als um einen Einstieg handelte und die Samwers einen nicht unerheblichen Einfluss auf die internationale Strategie, die Neukundenakquise und die Entwicklung neuer Groupon-Märkte haben.

In den Unterlagen findet sich auch der (fortgeschriebene) Geschäftsbericht für CityDeal, inklusive aller Finanzierungsrunden.

Überraschend ist auch, wie im Vergleich zu Citydeal günstig Groupon sich in lokale Märkte, zum Beispiel in Japan, einkaufen konnte, wo weniger die Kundenzahl als die Kompetenz des lokalen Managementteams den Ausschlag gab. Es scheint für viele dann doch verlockender zu sein, sich dem Marktführer anzuschließen als das Geschäft aus eigener Kraft zu stemmen.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Crowdsourcing, Live Shopping, Samwer Report, Shopboerse

21 replies

  1. @Jochen
    Zum Geschaeftmodell und den Zahlen von Groupon kann sich jeder selbst sein Meinung bilden, der Unterschied aber, ob Google 6 Mrd. fuer den Laden bezahlt oder das Geld ueber einen IPO eingesammelt wird, ist einfach, dass ersteres das Geld von Google ist, letzteres das Geld von mehr oder weniger unbedarften Kleininvestoren. UNd die haben natuerlich alle die Google-& Facebook-Storry im Kopf.
    Und klar kann man da sagen, dass der Laden neben der ganzen Fantasie operativ einen positiven Cash-Flow hat (welcher imho bei dem Umsatz gar nicht so gross ist, besonders, wenn man bedenkt, dass die 50% jedes Dollars oder Euros einstreichen, der ueber diese Plattform laeuft). Andersrum koennte man aber auch sagen, wenn man sich das „Wachstum“ kauft, muss man halt mal schauen, wie nachhaltig dieses ist. Wo rennen denn die Leute hin, wenn die Marketing-Dollars nicht mehr fliessen? Das gilt uebrigens auch fuer z.B. Zalando. Ich bezweifle, dass ein Groupon-Mitglied tatsaechlich im Jahr diesen Umsatz macht. Die Haendler sind die andere Seite. Wenn die irgendwann keine Lust mehr haben, 50% ihres Umsatzes abzugeben, weil sich’s nicht lohnt, wird Groupon seine Gebuehren senken muessen und dann waere es in der Tat besser, man haette seine Kosten im Griff. Und die Uebernahme von CityDeal war ganz sicher kein kluger Schachzug, sondern einfach nur eine weitere warme Gelddusche fuer die Samwers, denen auch hier wieder ein fantastischer Coup geglueckt ist.
    Kaufst Du eigentlich Groupon-Aktien?

  2. Woher stammt denn die Information, dass 25 Prozent der Gutschein uneingelöst verfallen?

  3. Interessanter Blickwinkel auf das Groupon Geschäftsmodell. Auszug: „So Groupon is in the memory business. But that doesn’t give them a unique advantage. They may have invented the business, but others can work it out.“
    http://blogs.hbr.org/cs/2011/05/agreeing_on_groupon.html

  4. @Claus
    Der Händler muß nicht nur 50% seines Umsatzes abgeben, sondern 75%. 50% muß in der Regel schon der Gutscheinwert sein und hiervon müssen dann nochmal 50% an Groupon abgedrückt werden. Bei Dailydeal sinds immerhin noch 40%. Das kann sich wirklich nur ein kleiner Kreis an Onlinehändlern leisten und in der Regel sind es ja diese, wovon große Stückzahlen verkauft werden.

  5. @Claus ich glaube, dass Kleinaktionäre die Abnehmer der Groupon-Aktien sind, ist dann doch eine etwas romantische Vorstellung des Börsengeschäfts :-)
    Bei den aktuellen Bewertungen würde ich mir schwer überlegen Aktien zu kaufen. Aber ich würde in Startups investieren, die das Geschäftsmodell adaptieren (Gründer bitte melden :-)
    @Roland aus einem Kommentar (an anderer Stelle) eines Groupon-Konkurrenten

  6. Ein hervorragend recherchierter Artikel über das Fiasko von Groupon, mit sauberen Zahlen und betriebswirtschaftlichen Begründungen hinterlegt:
    http://t3n.de/news/groupon-analyse-zeichen-stehen-fiasko-313670/1/

  7. Aber die Plattform und das Geschaeftsmodell? :-)
    Nee, Jochen, sei nicht boese, die Idee mit Groupon war sicherlich ne Weile spannend, aber jetzt geht sie den Bach runter. Der Artikel auf T3N sagt es eigentlich recht deutlich. Kommt der Boersengang so nicht zustande, ist in wenigen Monaten Pumpe bei Groupon. Ich weiss, Du bist von Groupon ueberzeugt, aber erklaert, warum man als Altinvestor fast das komplette Geld aus dem Unternehmen nehmen muss, wenn man doch so ne fantastische Wachstumsstrategie hat, haste bisher nicht.

  8. Ich halte von dem t3n-Artikel gar nichts, aber wer das Ganze gerne als Fiasko sehen will, wird seine wahre Freude daran haben.
    In den USA finden sich nach dem Groupon-Bashing der ersten Tage inzwischen schon sehr viel differenziertere Artikel/Stimmen.
    @Claus Mir gehts auch nicht um die Wachstumsstrategie, sondern um das Geschäftsmodell. Aber generell gönne ich jedem Gründer/Frühinvestor einen guten Exit

  9. @Jochen, das glaube ich Dir jetzt aber nicht. Ein gutes Geschaeftsmodell hat auch die Pizza-Bude um die Ecke oder der kleine Online-Haendler bei eBay, der schoene Margen macht. Groupon waere hier nicht annaehernd so gehypt worden, haetten nicht soviele schillernde VCs ihre Finger mit drin gehabt und haetten sie nicht so ein atemberaubendes Wachstum (teuer erkauft uebrigens) hingelegt. Und ja, ein Fruehinvestor soll einen guten Exit haben, wenn aber eine Kapitalerhoehung fast ausschliesslich dafuer genutzt wird, die Alteigentuemer nicht gluecklich sondern unverschaemt reich zu machen und ihnen damit jegliche Motivation genommen wird, weiter am Erfolg des Unternehmens zu arbeiten, dann wird’s bedenktlich. Wie auch immer. Wir legen das mal beseite und schauen nur aufs Geschaeftsmodell. Das bisherige hat der Autor von t3n bereits hinreichend kommentiert, das sehe ich genauso. Mit dem Verkauf von Rabattgutscheinen, die die meisten Anbieter eher ruinieren, gibt es kein langfristig tragfaehiges Geschaeft. Also muss Groupon irgendwie noch was aus den Nutzern rausholen. Das waere spannend zu sehen.
    Die Zeit wird es zeigen. Das Gute ist, dass die Internet-Welt so schnelllebig ist. Was vor wenigen Monaten noch ne Revolution war und die Welt veraendern wird (z.B. Magento) ist heute schon kalter Kaffee.

  10. Wer Exciting Commerce ernsthaft verfolgt, wird feststellen, dass wir unsere Beiträge über spannende, neue Geschäftsmodelle nicht von der Stimmungslage der VCs oder irgendwelchen, künstlich erzeugten Branchentrends abhängig machen, ganz im Gegenteil.
    Wir haben über das Groupon-Modell erstmals Anfang 2009 berichtet (http://www.liveshoppingdays.de/2009/02/lokale-live-shopping-aktionen.html ), drei Monate nach dem Start, als weder „schillernde VCs ihre Finger mit drin gehabt haben“ noch sich überhaupt jemand dafür interessiert hat.
    Genauso war es mit Berichten über Vente-Privée, Lockerz und anderen Geschäftsmodellen zum Beispiel im Social Shopping oder Crowdsourcing-Bereich. Wir stellen kontinuierlich spannende neue Geschäftsmodelle vor. Das sind die Beiträge, die gerne mal überlesen werden.
    Deswegen betrachte ich Groupon & Co. auch weitaus nüchterner und ernsthafter als viele, die es gerade erst entdeckt haben und ihrer ungläubigen Verwunderung mit der natürlichen Voreingenommenheit allem Neuen und Unbekannten gegenüber begegnen.
    Man kann Exciting Commerce ja vieles vorhalten, aber nicht, dass wir uns von den üblichen Branchenhypes treiben lassen. (Davon weiß so manch Gründer/PR-Verantwortliche ein Lied zu singen, der vergeblich versucht, sein ach so trendiges Startup/Unternehmen hier zu platzieren)

  11. Hallo,
    viele interessante Informationen zum Groupon-Model – hier meine Erfahrungen dazu.
    Als Gründer eines Coupon-Portals (also keine weitere Gutschein-Story) mit dem Ansatz, den Händler selbst zu überlassen was er einstellt und was nicht (Rabattierung, Zeitraum, sonst. Bedingungen)machen wir gerade im Leipziger Raum etwas Furore. Ganz kurz das Prinzip: Nutzer muss sich registrieren und kann kostenlos die Coupons ausdrucken. Händler stellt den Coupon seiner Wahl selbst innerhalb von 5 Minuten kostenlos ein und zahlt 30 Cent, wenn er tatsächlich durch einen Nutzer ausgedruckt wird. Nach 6 Wochen haben wir über 60 Firmen akquiriert – und das ohne separaten Vertriebler.
    Unser USP, die kein anderer bisher leisten kann, ist die unmittelbare Reaktionsfähigkeit des Händlers auf Leerzeiten oder Warenüberschüsse. Heißt konkret: sind im Kabarett für die Abendveranstaltung noch leere Plätze frei, stellt er vormittags selbst einen Coupon ein, limitiert ihn auf die Anzahl freier Plätze und füllt sie damit auf. Diese Möglichkeit hat er nirgends sonst. Bei Groupon&Co. muss man sich Wochen vorher anmelden. Und der Preis dafür, für bspw. 10 Plätze, liegt bei 3 Euro.
    Für uns machts dann irgendwann einfach die Masse.
    Im übrigen kenn in Leipzig nur 2 Firmen, die mit der Zusammenarbeit von Groupon glücklich sind und das bei ca. 80 persönlichen Gesprächen mit ehemaligen Groupon-Kunden. Auch kommt in den letzten Wochen kaum Abwechslung im Raum Leipzig – sind meist Massagen, Haarentfernung, Fotoshootings. ich weiß ja nicht wie oft das andere brauchen…ich nutze sowas nun gar nicht privat.
    In meinen Augen wird der Börsengang vorangetrieben um den Bewertungs-Hype zu nutzen und Kasse zu machen, denn nachhaltig ist dieses Geschäft nicht.

  12. Groupon spricht im Grunde zwei Zielgruppen an, die Shops/stores/ Institutionen die ihre Aktion anbieten möchten und die Nutzerschicht, die durch Groupon günstiger ins Kino oder essen gehen will. Für den Endkunden und somit die 2. erwähnte NUtschicht ist Groupon super, aber für die 1. genannte bezweifel ich, dass es sich auf DAuer auszahlt.
    Groupon ist nicht für jeden etwas, was u.a. dieser Artikel mit der sehr prägnanten Headline „the single worst decision i have ever made as a business owner“ sehr schön und deutlich veranschaulicht.
    http://techcrunch.com/2011/06/09/groupon-single-worst-decision/

  13. Leider gibt es in der heutigen Wirtschaft eine ganz gefährliche Entwicklung. Geschäfte werden nicht mehr auf die Beine gestellt um damit etwas zu erwirtschaften.
    Das Ziel ist, den Hype zu schaffen und dann einen lukrativen „Exit“ *hüstel* hinzulegen – nach mir die Sintflut, meine Taschen sind voll. Dabei ist die Kunst am höchsten Punkt der Hypekurve auszusteigen.
    Es werden keine Mehrwerte mehr geschaffen, so kann Wirtschaft auf Dauer nicht funktionieren.

  14. Ja, dem kann ich zu einem großen teil nur zustimmen. Heutzutage geht es oft wirklich darum mit vielen der neuen Start-ups einen Hype zu schaffen, den Wert teilw. künstlich in die Höhe zu treiben durch Investitionen. Hier gibt es viele Beispiele für u.a. Groupon. Sie fahren in der letzten Zeit nur rote Zahlen und da wie ich glaube, es sich wirklich nur für eine der zwei angesprochenen Nutzergruppen wirklich rentiert, wird das auf Dauer nicht gut gehen. Und wenn der Börsengang nicht richtig erfolgreich wird und man für die Händler einen wirklichen Mehrwert schafft, dann glaube ich wird es Groupon zumindest in dieser Form nicht dauerhaft geben.

  15. Wer denkt groupon wäre eine Abverkaufsplattform, der hat meiner Meinung nach das Geschäftsmodell noch nicht wirklich verstanden. Groupon hat nichts mit Abverkauf zu tun. Wäre dies der Fall muss man klar sagen: für den Händler uninteressant, 50% Provision viel zu hoch. Für den Händler ist groupon nur dann interessant, wenn sein Geschäftsmodell zulässt, groupon als das zu nutzen wofür es gedacht ist, nämlich als tool zur Neukundengewinnung, als Ersatz z.b.für die Anzeige in der Zeitung. Vergleicht man jetzt die hier anfallenden Kosten , mit der herkömmlicher Werbekosten, schneidet groupon als werbekanal, bei allen Emotionen, nicht schlecht ab.

  16. Nur am Rande: Groupon wendet sich nicht in erster Linie an Händler, sondern vor allem an Dienstleistungsunternehmen.

  17. Wie dem auch sei

  18. Aber gerade als Tool fuer Neukundengewinnung funktioniert Groupon, wie schon mehrfach erwaehnt, auch nur begrenzt. Haette man den Kunden wirklich „gewonnen“, wuerde dies bedeuten, dass man mit ihm ausser mit der einmaligen extrem rabattierten Aktion weiteren unrabattierten Umsatz machen kann. Das ist aber nur in der Minderheit der Faelle so. Hier werden keine Neukunden gewonnen, sondern Schnaeppchenjaeger, die nicht kommen wuerden, gaebe es den Deal nicht. Schlimmer noch, wie hier:
    http://t3n.de/news/groupon-analyse-zeichen-stehen-fiasko-313670/1/
    dargestellt, kann es sogar dazu fuehren, die Stammkundschaft (auch und vor allem bei Dienstleistern) zu verjagen. Man stelle sich das exklusive Nagelstudio vor, wo ne tobende Teenie-Gang reinspaziert und laut rumpoebelt, dass man fuer den Kram nur 20 € bezahlt hat. Dann kann das exklusive Nagelstudio eigentlich zumachen. Selbes gilt fuer Restaurants etc.

  19. Irgendwo lässt sich gerade sicher auch ein Link finden, wo Groupon für den Weltuntergang verantwortlich gemacht wird ;-)

  20. :-)
    Ach wird doch eh alles gut. Die werden ihre 20 oder 30 Mrd. Dollar schon kriegen, ne tierische Party feiern und mit dem Geld die naechsten Ideen anfangen und das ist ja auch gut so. Nachhaltige Geschaeftsmodelle sind eh nicht mehr zeitgemaess…

  21. Auch noch interessant zur Info:
    Gerade heute hat das grösste Schweizer Medienhaus Ringier angekündigt, 60% an der Deal Platform DeinDeal übernommen zu haben. Natürlich wurden — wie so oft — leider keine Angaben über den Preis gemacht. Aber das Karrussel dreht sich, wir werden wohl noch mehr Zukäufe sehen.
    Auch spannend, wie sich die Deal Aggregatoren entwickeln, in den USA z.B. thedealmap oder yipit, in der Schweiz z.B. http://www.dealkompass.ch

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