Ebay Fantasies: Was wird aus Magento, Shutl & Co.?

Nach Svpply Ende August hat Ebay kürzlich auch Bureau of Trade eingestampft. Was aus Shutl werden soll, ist nach dem absehbaren Ende von Ebay Now („eBay’s Same-Day Delivery Experiment Is Essentially Dead“) ähnlich offen wie die Perspektiven für Magento („Magento und die bitteren Wahrheiten 2014“) als Teil von Ebay Enterprise („Ebay und die Sorgen mit dem Enterprise-Geschäft“).

Wer sich als Unternehmensgründer in den letzten Jahren in die Fänge von Ebay („List of acquisitions by eBay„) begeben hat, der konnte einem wirklich leid tun. Und so sind viele dann ja auch zum jeweils frühesten Zeitpunkt ausgestiegen – zuletzt Magento-Gründer Roy Rubin und Zong-Gründer David Marcus („Was die Paypal-Chefs heute machen“).

Jetzt will Ebay Paypal in die Unabhängigkeit entlassen („Ebay veröffentlicht die Details zur angekündigten Zerschlagung“), ein lange überfälliger Schritt, angesichts der anhaltenden Schwäche Ebays, das Paypal zuletzt eher ausgebremst hat.

Für Ebay gilt es nun, Mutter und Tochter gleichermachen hübsch zu machen:

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Wahrscheinlich ist, dass sich Paypal dabei eher verstärken wird („PayPal Is Said to Be in ‘Early Talks’ to Acquire Square“). Gerade wenn man sich vor Augen führt, was Alibaba diese Woche mit der Ant Financial Group vorgestellt hat.

Ebay hingegen wird wohl oder übel weiter abspecken müssen. Nach dem verhaltenen Ausblick diese Woche dürfte Ebay eine neuerliche Entlassungswelle ins Haus stehen. Der Ebay-Chef drückte es so aus:

„eBay is clearly facing some near-term challenges. Its growth is neither what we wanted nor what we expected.“

Dem Investorencall (Transcript) zufolge will sich Ebay fortan auf seine nicht näher spezifizierten „Target Customer“ fokussieren.

Spannend wird, was aus Ebay Enterprise wird, das unter Ebay auch nicht so vorankommt („Ebay und die Sorgen mit dem Enterprise-Geschäft“), wie man sich das bei der Übernahme von GSI Commerce vorgestellt hatte.

Nachdem sich die Hoffnungen mit Magento Go zerschlagen haben, ist zuletzt auch Magento im Ebay Enterprise Bereich gelandet.

Da jedoch speziell im Techbereich E-Commerce-Lösungen weiterhin begehrt sind („Wie SAP die Milliardenübernahme von Hybris finanziert hat“), dürfte sich für Magento, speziell mit dem Erscheinen von Magento 2, jederzeit ein neuer Eigentümer finden lassen.

Die Frage ist hier eher, ob Ebay die Abspaltung dieser Bereiche vor oder nach der Trennung von Paypal vollzieht.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Ebay, Shoptech

  1. Hallo Jochen,

    wen könntest du dir als zukünftigen Eigentümer von Magento vorstellen?

    Beste Grüße
    Matthias

    • bisher waren es ja im weitesten Sinne immer Anbieter von Unternehmenssoftware – zuletzt Netsuite (bei Venda), SAP (bei Hybris) oder Oracle (bei ATG), die zugeschlagen haben; wüßte allerdings nicht, wer in dem Markt gerade heiß auf E-Commerce ist. Hat Microsoft Dynamics/Navision schon was für den E-Commerce?

      Im Fall von Magento kann man sich aber sogar vorstellen, dass ähnlich wie bei Hybris ein Private Equity Investor einspringt. Dann könnte man Magento noch mit ERP-/PIM-Systemen, etc. koppeln/fusionieren und dann weiterverkaufen.

      Schon aufgrund der hohen Markenbekanntheit dürfte Magento aber auch für sehr viele andere attraktiv sein, die sich ein Standbein im (Online-)Handel aufbauen wollen.

      • Danke für deine Einschätzung. Hier meine Gedanken zum Thema. Wenn du Feedback hast freue ich mich, denn ich bin nun einmal primär Techniker und habe nicht so einen Einblick in die Branche und die Mühlen, die im Hintergrund mahlen.

        Ob eine auf PHP und Linux basierte Software der erste Kandidat für eine Übernahme durch Microsoft wäre? MS hat zwar Geld investiert um PHP auf Windows zu einer vollwertigen Lösung zu machen, doch vermutlich wäre es naheliegender, innerhalb des eigenen Stacks zu bleiben und eine Lösung in der .Net-Welt zu finden. Da sehe ich Magento nicht so recht.

        Wenn sich jemand eine integrierte Lösung zusammenkaufen möchte könnte er sich Magento, Pimcore und OroCRM zusammenkaufen. Das ist zwar wegen der HIntergründe nicht realistisch, würde aber aus technischer Sicht hinmachen: es basiert alles auf der gleichen Software, verwendet ähnliche bis gleiche Frameworks und hat zum Teil die gleichen „Väter“. Außerdem gibt es schon Kopplungen zwischen den Systemen und man könnte sich da verhältnismäßig einfach etwas Schönes basteln.

        Magento wird seit der eBay-Akquise ja gerne tot gesagt (besonders als Open-Source-Software). Ich frage mich allerdings, durch wessen Übernahme die Chancen besser werden sollten. Magento als Plattform und Marke wächst weiterhin und wird wohl in naher Zukunft nicht billiger werden. Wenn jemand mit ausreichend Kapital kommt stelle ich mir vor, dass daraus entweder eine geschlossene Enterprise-Software wird und die KMUs nicht mehr im Fokus liegen oder die Technologie in einem anderen Produkt aufgeht.

        Das sind beides keine rosigen Perspektiven und deswegen verstehe ich dass es Leute gibt, die die Zukunft kritisch sehen. Und doch konnte mir noch niemand zeigen, wo in den Geschäftszahlen oder den Entwicklungen von Magento die negativen Trends sichtbar sind, die den Niedergang absehbar machen.
        (Gute) Konkurrenz gibt es wie in jeder Branche genug, doch ernsthaft das Wasser abgegraben hat meiner Meinung nach Magento noch niemand. Plattformen wie Shopify die gerade populär werden bedienen ja doch eine andere Zielgruppe und Shopware, Oxid etc. sind zwar sicher eine gute Software aber bei weitem nicht so weit verbreitet. Magento hat die Lernkurve, die Performanceansprüche etc. aber das ist nach 6 Jahren ein alter Hut und es gibt inzwischen genug Leute, die das System meistern und das auch wirtschaftlich schultern können.

        In letzter Zeit hat man den Eindruck dass die Magento-Verantwortlichen sich bemühen den Forderungen der Community mehr nachzukommen. Das geht stark von Einzelpersonen wie Ben Marks aus und kann auch täuschen, aber ich denke schon dass solche Treiber den Unterschied machen können – auch wenn das bei einem Tanker wie bei eBay/Magento entsprechend Zeit und Durchhaltevermögen braucht.
        Ich als Magento-Fan darf durch die orange-farbene Brille blicken und mir wünschen, dass das wirklich so ist. ;-)

        Vielleicht braucht es auch ein Magento 2.1 oder 2.2 im Jahr 2016 brauchen bis das Ding ein großer Wurf (im Sinne eines von außen sichtbaren Unterschieds zu Magento 1) wird. Vielleicht braucht es eine anständige Motivation durch die Konkurrenz oder andere Faktoren, um nicht nur wie im Moment das technische Fundament zu erneuern sondern neue Konzepte und Features einzubringen.

        Außerdem darf man nicht dem Irrglauben aufsitzen dass es Sinn und Zweck von Magento 2 ist, jeden Magento-1-Händler zum Umstieg zu bewegen. Es wird nicht so sein, dass sich ein Magento-1-Händler einfach mal zwischendurch das „Update auf die neue Version“ einspielt, weil Feature X und Y hinzukommen. Magento 1 basiert auf Technologien von 2007/2008 und ist aus einer ganz anderen Zielsetzung, unter ganz anderen Anforderungen entstanden, als sie heute existieren.

        Magento 2 wird ein Kandidat für Erstumsetzungen von Shops und für Re-Platformings sein, sei es von einer komplett anderen Software zu Magento oder von Magento 1 zu Magento 2. Fast jeder Shop muss nach spätestens 5 bis 10 Jahren ein Re-Platforming durchziehen. Da muss Magento 2 parat stehen. Ich denke man muss das begreifen, um die Situation richtig beurteilen zu können.

        Ob das Produkt Magento 2 gut genug ist, wird man sehen. Man darf sich wie bei jedem neuen Produkt nicht erwarten, dass es sofort beim Level von Magento 1 fortsetzt sondern es muss erst neu aufgebaut werden und sich seinen Platz am Markt erkämpfen. Ob es die Zeit von eBay oder einen neuem Eigentümer bekommt, es sonstwie eine Zukunft als eigenständiges Unternehmen erhält oder einfach baden geht, das können Marktkenner wie du wesentlich besser beurteilen als ich.

Trackbacks

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