Was die Spryker/Siroop-Kombination so spektakulär macht

Seit Magento konnte kein Shoptech-Player mehr so für Furore sorgen wie Spryker („Spryker und die Umbrüche in der Berliner Shoptech-Welt„). Dass nun aber ausgerechnet Siroop auf Spryker setzt („Das erste große Spryker-Projekt geht an den Start„), ist gleich in mehrfacher Hinsicht eine Sensation.

Denn offenbar kann Spryker für mehr sorgen als für heiße Luft und auch Nägel mit Köpfen machen – und zwar ausgerechnet bei zwei Großkonzernen, in einem Schweizer Markt, der ansonsten auf Hybris abonniert ist.

sprykerframework

Doch auch aus Siroop-Sicht ist das Thema spannend. Denn in der Schweiz konnte man zuletzt ganz gut das Online-Dilemma der großen Konzerne verfolgen: Ein signifikanter Einstieg – z.B. ins Marktplatzgeschäft – ist unter 240 Mio. CHF nicht zu haben – und auch das nur, wenn man überhaupt zum Zug kommt („Geht Ricardo an die Migros-Gruppe – oder wieder an ein Medienhaus?„).

Aus Konzernsicht kann man sich nun also überlegen: Was, wenn wir aus der Not eine Tugend machen? Was, wenn wir nur die Hälfte dieses Betrags in die Hand nehmen (und das sind immer noch über 100 Mio. CHF) und etwas eigenes auf die Beine stellen:

siroop

Das Eindrucksvolle an Siroop ist ja, dass Swisscom und Coop hier offenbar eine Marktchance wittern („Weko genehmigt Online-Marktplatz von Coop und Swisscom“), ohne dass am Anfang schon klar ist, was am Ende exakt dabei herauskommt.

2014 und 2015 waren in Handel und Industrie die Jahre des großen Erwachens („Runtastic: Wacht die deutsche Wirtschaft jetzt endlich auf?„).

Und man kann gespannt sein, ob Würth mit Wucato ähnlich denkt wie Otto mit About You („Womit überrascht uns Ottos Projekt Collins diese Woche?„) oder Swisscom und Coop mit Siroop („Siroop jetzt als Beta gestartet. Aber eigentlich ist es ein MVP!“).

Genau hierfür jedoch sind Systemlösungen notwendig, die Optionen eröffnen und Experimente erlauben. Diesen Nerv trifft ein Spryker genauso wie seinerzeit ein Magento („Exciting Commerce Stars 2009: Der Innovationstreiber des Jahres ist Magento„) mit seiner Open-Source-Philosophie.

Ob die Systeme technologisch halten, was sie versprechen, müssen andere beurteilen. Der Markt jedenfalls ist schon seit längerem bereit für solcherlei Lösungen.

Siehe auch 333 Tage Spryker und unsere regelmäßigen Shoptech-Updates in den Exchanges („Shopsysteme gestern, heute und morgen„).

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Shoptech

14 replies

  1. In der Tat ist die Wahl von Spryker als Shop-System für dieses Joint-Venture von zwei der grössten Schweizer Konzerne spektakulär. Es ist ein Ausbruch aus einer SAP-dominierten Welt mit klarem StartUp-Charakter und beinahe grüne Wiese Ansatz. Strategisch und konzeptionell daher sehr revolutionär in den an sich starren corporate Strukturen. In Frage darf man jedoch stellen, ob das Marktplatz-Konzept für die Schweiz generell tauglich ist und speziell so, wie es Siroop bis jetzt offenbart.

  2. Also mal etwas zurücklehnen und nachdenken: Eine Lebensmittelhändler (einer der beiden Grossen in der Schweiz) und der Telecom-Monopolist (der wie alle Monopolisten dieser Welt so tut, als wäre er keiner mehr) schliessen sich zusammen, setzen auf eine Eierlegendewollmilchsau als Shopsystem und machen was? Einen Marktplatz! Super! Darauf haben wir Schweizer nach Ricardo, Galaxus digitec und bald auch Amazon gerade noch gewartet. Das hat uns wirklich noch gefehlt….Und gibt es da nicht irgendwo hinter Spryker einen sehr cleveren Kerl, der mit guten Gründen meint, dass es mittelfristig wohl nur einen Marktplatz gebe: Amazon?

  3. Einen 100+ Mio. Franken Markplatz hätte selbst die Schweiz noch nicht gesehen … Offenbar sind hier ein paar „Verrückte“ am Werk. Rein mit Vernunft kommt man bei diesem Unterfangen ohnehin nicht weiter. Warum dann also nicht gleich ein bisschen die Phantasie spielen lassen? :-)

  4. Da kann ich Markus nur zustimmen. Die These, dass neue Geschäftsmodelle dank solch flexibler Systeme wie Spryker nun endlich möglich sind, geht zumindest in diesem Fall nicht auf. Optisch erinnert mich das Ganze sogar sehr stark an die Magento 2 Demo. Immerhin der Name ist cool.

    Spannend was die Schweizer dazu sagen: http://www.20min.ch/finance/news/story/Der-Schweizer-Amazon-Konkurrent-ist-online-24639993

  5. Ich bin da eher bei Jochen. Dinge zu tun, die alle anderen für Unsinn halten, sind die Dinge, die dann sehr oft erfolgreich werden.

  6. Ich formuliere mal wie Jochen in 2011… „Das Internet hat ein Männerproblem.“ und „Die Jungs machen was sie wollen“.

    Der neue siroop Onlineshop bestätigt leider diese beiden Aussagen, und diese Aussagen sind übrigens von 2011. System und Technik stehen im Vordergrund, mal wieder. Warum? Was nützt uns die Technik wenn der Onlineshop komplett an der weiblichen Zielgruppe vorbei rauscht? Es fehlt an Inspiration, an Vertrauen, an MehrWerte und und und. Und auf den wenigen (emotionalen) Bildern sind fast nur Männer *kopfschüttel*
    Frauen kaufen nicht nur Mode, Parfüm und Lippenstift. Sie geben bei Unterhaltungselektronik sogar mehr Geld als Männer aus (http://blog.carpathia.ch/2015/09/26/frauen-geben-fuer-unterhaltungselektronik-mehr-geld-aus-als-maenner/).

    Das in der DNA die Verankerung der weiblichen Zielgruppe nicht vorhanden ist, kann doch nicht einfach vergessen worden sein…!

    • na, in dem Fall trifft Deine Kritik aber ausgerechnet eine Frau:

      „Swisscom-Frau Steiner ist Siroop-CTO“ (http://www.inside-channels.ch/articles/42207)

      Da ist die Hoffnung also noch nicht verloren ;-)

      • Nicht wirklich, der CTO hat selten was mit der vertrieblichen Positionierung / Online-Marketing etc. zu tun. ;-)
        Aber der Punkt von Diana ist natürlich valide. Was hat Spryker damit zu tun, ob das Ding ne tolle Sache wird? Die Technik kann noch so perfekt sein, wenn es bei Angebot und Bedarf keinen Match gibt, wird es schwierig. Keine Ahnung, ob das hier der Fall ist, aber ein Spryker allein bringt noch keinen Erfolg.

  7. @Claus Spryker hat damit nichts bzw. nur indirekt zu tun. Denn im Kern gehts hier ja nicht um die Technologie per se, sondern um den schnellen, iterativen Entwicklungsansatz, der mit einem Spryker verbunden ist – und den im E-Commerce im großen Stil bisher vor allem Rocket Internet und Project A – mit den entsprechenden Vorläufer-Versionen von Spryker – praktiziert haben …

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