Hat Otto eine Weiterführung von Liefery bewusst verhindert?

Hermes und Otto ziehen bei Liefery den Stecker. Das hat am Freitag nicht nur die Belegschaft geschockt. Normalerweise würde man ein Unternehmen erst dann schließen, wenn sich niemand findet, der es weiterführen will. Das scheint bei Liefery allerdings nicht der Fall gewesen zu sein („Hermes macht Liefertochter dicht – zum Ärger von Kunden wie Hellofresh und Apple“):

„Von Kunden ist zu hören, dass sie spontan überlegt hatten, die Dienste von Liefery zu übernehmen und in Eigenregie weiterzuführen.

Möglich sei das durchaus gewesen, wird doch der eigentliche Transport von einem Netzwerk von 5000 Paketfahrern geleistet, die als Subunternehmer organisiert sind.

Doch da habe es aufseiten von Hermes kein Entgegenkommen gegeben. Offenbar war die Angst vor Konkurrenz zu groß, heißt es.“

Lesenswert sind auch die Einschätzungen im Supermarktblog („Hermes killt Liefery“):

„Vielleicht geht’s Ihnen anders, aber: Wenn ein Händler mir die Zustellung ausschließlich mit Hermes, dem Transportdienstleister der der Otto Group, anbietet, dann ist das ein Grund für mich, dort nicht zu bestellen. Weil die Zustellung dauert. Und es wahrscheinlich Probleme geben wird.

Bei der Hermes-Tochter Liefery war’s bislang genau andersherum. Zwar haben die allerwenigsten Händler direkt kommuniziert, dass sie Ware mit dem vor sechs Jahren gegründeten Logistik-Start-up versenden – die Lieferung noch am selben oder am nächsten Tag war in einer Stadt aber meist schon ein gutes Indiz dafür. Und für mich ein Grund, zu bestellen, weil ich wusste: Das kommt an wie versprochen.“

Die letzte Meile ist Hermes‘ großer Schwachpunkt. So betreibt Hermes im Gegensatz zu DHL und Amazon Logistics hierzulande keine Abholautomaten und arbeitet bei der Paketübergabe auch sonst wenig kundenorientiert. Siehe auch Kann Liefery das neue Hermes werden?

Ausführlich haben wir uns mit der Lage auf der letzten Meile in den Exchanges #260 befasst:

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Logistik

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  1. Wenn es wirklich so gewesen ist, hat sich Hermes damit sicher keinen Gefallen getan (Otto übrigens auch nicht). Dass man sich entscheidet, einen Service einzustellen, ist die eine Sache, dass man damit (ge-) wichtige Kunden massiv im Regen stehen lässt, ist die andere und die merken sich sowas. Mindestens bei HelloFresh und Apple wird Hermes in den nächsten Jahren keinen Vertriebler mehr vorbei schicken müssen. Abgesehen davon spricht sich sowas auch in der Branche rum und was Hermes / Otto sicher gar nicht braucht, ist der Ruf, ein unzuverlässiger Partner zu sein. Gerade mit Blick auf die Marktplatzambitionen aus meiner Sicht ein gefährlicher Move.

Trackbacks

  1. Wenn Liefery nicht mehr liefert, will HelloFresh selber liefern – Exciting Commerce
  2. HelloFresh mit Details zum Lieferdienst in Deutschland – Exciting Commerce

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