Otto NEW – oder: Was kann bleiben und was muss gehen?

Üblicherweise will man bei Otto „alle mitnehmen“, wie es im Konzernsprech so wohlig heißt. Doch das ist natürlich schwierig, wenn man den Katalog einstampft und das Handelsgeschäft verschlankt zugunsten eines Marktplatzgeschäfts („Drei Otto-Insider zum Stand der Dinge“).

Und so schlägt bei Otto ausgerechnet in einem Rekordjahr („Otto wächst um 30% auf 4,5 Mrd. €“) ein umfassendes Restrukturierungsprogramm namens NEW Wellen, über das die taz diese Woche erstmals öffentlich berichtet hat:

„Nach Informationen der taz werden erste Abteilungen bereits in diesem Jahr geschlossen; Stu­den­t*in­nen mit Werkverträgen, die leicht kündbar sind, wurden bereits zum bevorstehenden Semesterende vor die Tür gesetzt.

Doch das ist nur der Anfang. Unter dem Projektnamen „New“ will die Otto-Gruppe bis 2023 einen Rationalisierungsplan durchboxen, mit dem sie – nach internen Firmenunterlagen, die der taz vorliegen – jährlich mindestens 50 Millionen Euro Kosten einspart. Dabei ist vom Wegfall von bis zu 400 Vollzeitstellen die Rede.“

Neuhandeln hat versucht, ein bisschen mehr rauszufinden. Demnach sieht Otto u.a. im Marketing und im Vertrieb Optimierungspotenzial.

Dem Vernehmen nach geht es bei Otto NEW aber auch stark darum, die Organisation zu verschlanken, weswegen vor allem das mittlere Management bangt.

Frühere Beiträge zum Thema:



Kategorien:Ultimondo

Schlagwörter:

  1. Wie das Jahr für Otto tatsächlich gewesen ist, wird man erst bei der Vorlage der Zahlen sehen können. Rekordjahr klingt gut, bezieht sich aber sicher erst einmal nur auf den Umsatz. Der Umsatz ist bei Otto aber nur eine untergeordnete Größe, was den Ertrag der Unternehmung angeht. Denn jeder weiß ja, daß Otto an der Handelsmarge nur minimal verdient.

    Das eigentliche Geschäft ist doch die Ratenfinanzierung der Endkunden zu ca. 16% (!) Verzinsung im Jahr und das Inkasso. Und da stehen alleine in der Konzernbilanz 2019/20 gute 184 Millionen „Erlöse aus Kundenfinanzierungen“ und gute 83 Millionen „Erträge aus Forderungsinkasso“. Sicher kommt da noch ein hoher zwei- oder dreistelliger Millionen-Betrag über die EOS oder andere Gesellschaften rein, die weniger präsent ausgewiesen werden, aber alleine aus diesem Geschäft generiert werden.

    Also lebt das Konzernergebnis, wie allen bekannt, fast ausschließlich von den arg geschröpften Ratenkäufern. Und was machen die zu Zeiten von CoVID: Kaufen mehr ein. Aber bezahlen lieber direkt, zum Beispiel aus dem eingesparten Urlaubsgeld. Weniger Mahngebühren, weniger Zinserträge, weniger Inkassogebühren. Für Otto könnte das Rekordjahr also zum Bumerang werden. Und eines ist klar. Spätestens seit der extrem teuren Hybridanleihe aus 2018 müssen jedes Jahr hohe Zinsen verdient werden.

    Man kann gespannt sein, wie es weiter geht. Ich wette auf einen Börsengang von AboutYou noch in 2021. Irgendwie muß ja auch dieses Geschäftsjahr gerettet werden. Und in den letzen Jahren gab es fast jedes Jahr einen Sondereffekt zum Aufpolieren der Bilanz, ob es der Verkauf der Venture Funds war, oder die Abgabe von Hermes- oder auch AboutYou-Anteilen. Langfristig kann man eigentlich nur auf den Otto Marktplatz hoffen.

  2. Man darf gespannt sein, ob man auch an den mittelalterlichen Wasserkopf inkl. Witz-Titel rangeht: 6 sogenannte Vorstände auf Group-Ebene (obwohl die Firma eine GmbH ist und es keine Vorstände in einer GmbH gibt), und dann noch 4 sogenannte Bereichs-Vorstände für die Otto Einzelgesellschaft (nicht einmal eingetragene Geschäftsführer und ebenso mit Titeln, die es in einer GmbH nicht gibt – was für eine Erfindung ist ein Bereichs-Vorstand überhaupt?).
    Das sind 10 hochbezahlte Menschen, was zum Sparkurs nicht passt, und 10 Phantasie-Ego-Titel, die zu dem ganzen Kulturwandel-Geschwurbel ja so überhaupt nicht passen.
    Otto find‘ ich gut!

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: