Otto erreicht mit 15,6 Mrd. € wieder das Umsatzniveau von 2006

Heute gabs die Otto-Bilanz für das Geschäftsjahr 2020/21. So konnte der Otto-Konzern seine ausgewiesenen Umsätze im Corona-Jahr um knapp 10% auf 15,6 Mrd. Euro steigern und liegt damit nach 14 Jahren erstmals wieder auf dem Niveau von 2006:

Auch 2020 war das Ergebnis geprägt von Unternehmens- und Beteiligungsverkäufen. So kamen gut 600 Mio. Euro in die Kasse. Über 2.000 Mitarbeiter hat der Otto-Konzern jetzt weniger auf der Gehaltsliste und hat sich zudem von vielen Zukunftsthemen verabschiedet.

In den ausgewiesenen Umsätzen von 15,6 Mrd. Euro sind noch anteilige Hermes-Umsätze enthalten, die dieses Jahr entfallen. Ob der Konzern so das für 2022 ausgegebene Umsatzziel von 17 Mrd. Euro noch erreichen kann, ist fraglich. Deshalb hat Otto es heute schon mal für erreicht erklärt:

Dies und mehr gabs heute wieder auf der Otto-Bilanzpressekonferenz zu bestaunen. Substanzielleres finden Interessierte im Geschäftsbericht (PDF).

Was das Ergebnis angeht, ist der Otto-Konzern 2021 schon auf der sicheren Seite. Schließlich kann er jetzt bereits mit Einnahmen aus weiteren Unternehmensverkäufen von 565 Mio. Euro rechnen. Und wenns gut läuft, kommen noch die Erlöse aus dem Börsengang von About You obendrauf.

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  1. Verstehe ich das richtig, dass im EBIT von 688 Mio. Euro 600 Mio. Verkaufserlöse von Beteiligungen enthalten sind? Dann wäre das Ergebnis aus dem Kerngeschäft ja quasi eine Nullnummer gewesen und nach 433 Mio. im Vorjahr ein Desaster. Wo hat man denn so viel Ergebnis verloren?

    • ganz so kann man es nicht sagen, aber in jedem Fall tragen die Unternehmens- und Beteiligungsverkäufe wieder den größten Teil zum Ergebnis bei.

      • Wie muss man das denn sehen? Der Vorstand hat von 600 Millionen Erlösen aus Verkäufen gesprochen und die gehen doch ein zu eins in das EBIT, oder nicht?

    • im Geschäftsbericht/Finanzteil ist es aufgeschlüsselt und erläutert. Ein paar grobe Einordnungen gabs auch auf der Bilanzpressekonferenz.

  2. Mann kann das alles recht einfach einordnen:

    Otto hat nicht _trotz_ Corona ordentlich Geld verdient, sondern _wegen_ Corona. Das kann man dem Konzern nicht vorwerfen, das ist dann einfach mal Glück im Unglück.

    Die Strategie ändert sich aber nicht: Generell etwas entschlacken. Kosten reduzieren – man bedenke die Einstellung der teuren Werbeformate vor ein paar Monaten. Dazu die wirklich großen Investitionen mit Partnern stemmen, also als Beispiel bei Hermes mit Private Equity-Partnern zusammenarbeiten und bei AboutYou mit weiteren Investoren wie Bestseller. Im Konzern werden auch alle Verlustbringer geschlossen, deswegen wurde auch die OGDS-Struktur eingestampft.

    Alles in allem das klassische Handeln einer Gruppe von angestellten Managern und Beratern. Unternehmerische Visionen, verbunden mit Risiko, sind nicht mehr gern gesehen bei Otto. Das Setzen auf Leute wie Sebastian Klauke waren ein klares Zeichen – Beratermentalität, Prozessoptimierung und Erbsenzählerei vor Erneuerung. Und nebenbei sitzt er mit Markus Braun von der Wirecard bei der DLD-Konferenz in München gemeinsam auf dem Sofa und erklärt der Welt „Digitalisierung“ – ein ziemlicher Spagat.

    Was bleibt: Die einzige große Wette, daß der Otto Marktplatz funktioniert und das Wachstum über die Plattform läuft. Sprich, Amazon kopieren und hinterherlaufen und sich dabei einen saubereren Anstrich verpassen. Das könnte sogar klappen, aber es ist m.E. die einzige große Wette, die noch läuft.

  3. Bevor der Beitrag des hoch verehrten Kollegen Jochen Krisch zu noch mehr Verwirrung führt: Auf der Pressekonferenz haben wir nicht grob, sondern sehr detailliert über die rasante Umsatzentwicklung und die Marktanteilsgewinne der Otto Group im Onlinemarkt berichtet. Wir weisen die Zahlen auf vergleichbarer Basis aus, damit die Prognosen und Werte nicht durch Anteilskäufe oder -verkäufe verzerrt werden. Die gute Performance der Otto Group hat auch den operativen Gewinn getrieben, den man bekanntlich auf den Gewinnebenen EBITDA und EBIT ablesen kann. So legte das EBITDA gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp 28 Prozent auf 1,29 Milliarden Euro zu. Das EBIT stieg sogar um knapp 60 Prozent auf 688 Millionen Euro. Der Effekt aus den Anteilsverkäufen u.a. von Hermes UK und Germany zeigt sich erst in der Entwicklung des Finanzergebnisses und damit des EBT. Der stieg um 280 Prozent auf gut 1,1 Milliarden Euro, über 600 Millionen davon stammen aus den Anteilsverkäufen. Wer’s ungefiltert mag: Auf http://www.ottogroup.com gibt‘s die Zahlen und Vorträge live und in Farbe.

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